Vier Fragen an David Weinberger
„Web 2.0 basiert auf grundlegendem Missverständnis“

Viele glauben, Web 2.0 biete Gründern ohne großes Kapital die Chance, ein Unternehmen zum Erfolg zu führen. Das Handelsblatt sprach mit dem studierten Philosoph und Autor David Weinberger, warum er kein Freund des Begriffs Web 2.0 ist.

Was halten Sie von Web 2.0?

Ich bin kein Freund des Begriffs. Vieles von dem, was unter diesem Begriff verkauft wird, ist altbekannt.

Weshalb wird so viel darüber geredet?

Vielleicht basiert dies auf einem grundlegenden Missverständnis über die Geschichte des Internets. Es heißt ständig, heute könnten Menschen zum ersten Mal an der Entwicklung des Webs teilnehmen, sie bekämen eine eigene Stimme. Für mich ignoriert diese Behauptung die vergangenen zehn Jahre. Genau das war es doch, was das Internet von Anfang an spannend machte. Selbst Weblogs gibt es seit über fünf Jahren. Und das soll das neue Ding namens Web 2.0 ausmachen? Fünf Jahre – in einem Medium, das praktisch eine zehnjährige Geschichte hat!

Soll Web 2.0 also nur dazu dienen, Venture-Capital anzuziehen?

Ich glaube nicht, dass Leute wie der Internetpionier Tim O'Reilly so zynisch oder manipulativ sind. Ich weiß nicht, warum viele Leute Web 2.0 als Begriff für so wichtig halten. Vielleicht weil das Internet heute in der Tat ein erheblich besserer Boden für Innovationen und Unternehmertum geworden ist. Deshalb sehen wir derzeit einen Ausbruch an Ideen.

Viele glauben, Web 2.0 biete gerade Gründern ohne großes Kapital die Chance, ein Unternehmen zum Erfolg zu führen. Eine trügerische Hoffnung?

Nein, aber auch das ist ja nicht neu. Das Internet drehte sich noch nie um Großkonzerne. Deren Online-Auftritte sind größtenteils ein Witz, niemand schert sich darum – eigentlich haben sie gar keinen Wert. In den ersten Jahren des Internets wurde vor allem darüber berichtet, weil die Aktienkurse so hoch waren oder was große Unternehmen im Web anstellten. Das war eine Fehleinschätzung der Medien. Die Menschen, die im Internet unterwegs waren, wussten immer, dass dies nicht die entscheidende Story war. Sie waren im Web, weil sie dort kreativ tätig sein konnten.

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