Vier Fragen an: Travis Katz
„Die Menschen wollen ein Online-Heim“

Travis Katz ist Senior Vize-Präsident von Myspace International. Gegenüber dem Handelsblatt spricht er über die Erfolgsgeheimnisse von Online-Netzwerken, die tendenziell junge Myspace-Kundschaft und die Frage, wie viele Netzwerk-Mitgliedschaften ein Mensch vertragen kann.

Handelsblatt: Mr. Katz, egal ob Facebook, Myspace, Studi VZ oder Xing: Soziale Netzwerk im Internet wachsen in atemberaubender Geschwindigkeit. Was ist an ihnen so faszinierend?

Travis Katz: Eines der Erfolgsgeheimnisse ist, dass sie zahlreiche Funktionen, die es vorher schon im Internet gab, auf ihren Seiten vereinigt haben. Es gab schon früher Weblog-Anbieter, Youtube als Video-Seite, Fotodatenbanken und E-Mail-Dienste. Aber bei allen musste man sich einzeln registrieren und einloggen. Und schon brauchte man 25 Nutzernamen und 25 Passworte, denn jeder Anbieter hat andere Vorschriften in diesem Punkt. Die Leute wollten zwar all diese Funktionen nutzen – aber auf eine einfache Weise. Die Menschen wollen ein Online-Heim haben als Ausgangspunkt. Und von dort aus experimentieren sie mit neuen Funktionen. Das ist so wie das Zimmer eines Jugendlichen, der seine Poster immer neu arrangiert. Diese Ausstattung ist Ausdruck seines Heimatgefühls und gleichzeitig seiner Persönlichkeit.

Myspace gilt vor allem als Heimstatt für Teenager. Stimmen Sie dem zu?

Das ist eine falsche Wahrnehmung. Unsere aktivsten Nutzer sind zwar zwischen 16 und 28 Jahren alt. Aber das liegt einfach daran, dass die Jüngeren innovationsfreudiger sind. Sie probieren als erste etwas Neues aus. Wir haben eine breitere Demographie als andere soziale Netzwerke.

Trotzdem haben sie tendenziell jüngere Nutzer als Facebook. Haben Sie keine Angst, dass Ihre Kunden sich verabschieden, wenn sie von der Schule oder der Uni ins Berufsleben wechseln – und dann eine seriösere Web-Identität haben wollen?

Nein. Bei Myspace leben die Nutzer ihr Leben online mit all Ihren Freunden und all Ihrer Kommunikation. Wenn sie dies einmal aufgebaut haben, lassen sie es nicht so leicht hinter sich. Wenn man von der Uni in den Beruf wechselt hört man nicht mit einem Schlag auf, Fotos mit Freunden zu tauschen oder gemeinsam das Wochenende zu planen. Unsere Plattform ist sehr flexibel und deshalb kann sie sich den Lebensumständen anpassen. Es wird immer unterschiedliche soziale Netzwerke für unterschiedliche Bedürfnisse geben. Linked In in den USA oder Xing in Deutschland sind dann eben Netzwerke für den Beruf. Und im Gegenzug ist Myspace ist eher für die privaten Dinge gedacht. Es ist so ähnlich wie mit E-Mail. Man nutzt seine dienstliche E-Mail für die beruflichen Dinge, hat aber außerdem auch private Mail-Konten.

Ein Berufs-Netzwerk, mehrere private? Wie viele Netzwerk-Mitgliedschaften kann ein einzelner Mensch denn überhaupt vertragen?

Wahrscheinlich nicht viele. Doch die Zahl der Nutzer von sozialen Netzwerken ist noch immer – verglichen mit der Gesamtbevölkerung – relativ klein. Und häufig überlappen sich die Nutzer unterschiedlicher Netzwerke auch noch. Diejenigen, die Netzwerke heute nutzen, sind in der Regel Multi-Netzwerk-Nutzer.

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