Viren für RFID-Chips
Funkchips können digitale Schädlinge verbreiten

Ein Sicherheits-Desaster befürchten Forscher bei den RFID-Chips. Mit den Funkchips sollen Produkte zukünftig eindeutig gekennzeichnet werden. Allerdings können darüber auch Viren massenhaft verbreitet werden.

hiz DÜSSELDORF. Auf der IEEE Conference of Pervasive Computing in Pisa wurde von Wissenschaftlern erstmals ein Virus vorgestellt, das RFID-Chips infizieren kann. Hersteller und Handelskonzernen planen Waren zukünftig mit diesen Funkchips auszuzeichnen, um die Logistikketten besser automatisieren zu können. Bislang schlossen Experten solche digitalen Schädlinge aus, da die Funkchips nur über einen 128 Byte kleinen Speicher verfügen. Forscher der Vrije-Universität in Amsterdam entwickelten allerdings ein Virus, das sich selbst reproduzieren und über die RFID-Lesegeräte verbreiten kann. In ihrem Arbeitspapier beschreiben die Autoren, wie es Schädlingen gelingt, sich in dem kleinen Speicher der Chips festzusetzen. Bei den Machbarkeitsstudien nutzen die Forscher die gleichen Pufferüberlauf-Techniken, mit denen Computerviren Netzwerke und Server lahm legen. Diese Buffer-Overflows könnten auch RFID-Chips gefährlich werden. RFID-Phishing sei ebenfalls möglich.

In einem Angriffsszenario, das die Experten beschreiben, könnte zum Beispiel ein Hacker einen RFID-markierten Artikel im Supermarkt kaufen. Den darauf angebrachten Transponder mit RFID-Chip ersetzt er anschließend durch einen von ihm selbst programmierten. Die Ware mit der manipulierten Auszeichnung platziert er dann wieder im Ladenregal. Taucht der an der Scannerkasse wieder auf, kann dadurch die Supermarkt-Software, die eigentlich nur digitale Preisschildchen übers RFID-Lesegerät auswerten muss, mit schädlichem Code infiziert werden.

Nach Aussagen der Fachleute kann der Schädling sogar Unternehmensnetzwerke infizieren. Sie befürchten zudem eine Ausbreitung auf andere Chips mit einer späteren Störung ganzer Logistiksysteme. "Es sollte nicht überraschen, dass ein System, das so billig wie möglich hergestellt werden soll, über keinerlei Sicherheitssysteme verfügt", zitiert die New York Times Peter Neumann, Wissenschaftler bei dem kalifornischen Forschungsunternehmen SRI International. Neumann bezeichnete die Funkchips sogar als "Sicherheitsdesaster auf Abruf".

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