Virtualisierung
Software-Riesen wollen Macht in der Scheinwelt

Ein Server statt vieler Einzeplatzrechner: Virtualisierungssoftware ist eine der IT-Wachstumsbereiche, die Platzhirsche streichen mit den entsprechenden Programmen schon gute Gewinne ein. Doch jetzt greifen Giganten wie Microsoft an.

DÜSSELDORF. Das Geschäft mit Virtualisierungssoftware ist derzeit einer der Wachstumsbereiche der IT-Branche. Durch sie ist es möglich, Anwendungen nicht mehr nur direkt auf einem Computer zu betreiben, sondern die gesamte Rechnerlandschaft eines Unternehmens als Kapazitätenpool zu nutzen. Weniger neue Server sind nötig und vorhandene Hardware lässt sich optimal nutzen, um Daten zu verarbeiten. Wenn einzelne Rechner ausfallen, können auf mehrere Maschinen verteilte Anwendungen weiter arbeiten.

Diese Vorteile haben viele Firmen davon überzeugt, in ihren Rechenzentren verstärkt auf die Virtualisierung zu setzen. Die Zahl der virtuellen Server, die Rechenzentren ergänzen, wächst schnell. Die Marktforscher von IDC ermittelten, dass inzwischen sieben Prozent der in den Unternehmen eingesetzten Server virtuelle Maschinen sind. Die Zahl der verkauften Server steigt erstmals seit Jahren nur noch langsam. Im diesem Jahr wird IDC zufolge jeder zweite neue Server eine virtuelle Maschine sein. Der Umsatz soll in Westeuropa von knapp 680 Mill. Euro im Jahr 2006 bis auf 3,9 Mrd. Euro im Jahr 2011 ansteigen.

Derzeit ist das US-Unternehmen VM-Ware als Anbieter von Virtualisierungsprodukten im Serverbereich mit einem Marktanteil von 70 Prozent in einer komfortablen Situation. Doch neue Wettbewerber wie Microsoft und Citrix Systems und viele weitere Unternehmen drängen mit Macht in den Markt.

Ein Thema, mit dem der Marktführer in diesem Jahr punkten will, ist die sogenannte Desktop-Virtualisierung. Eine Alternative zur Ausstattung jedes einzelnen Arbeitsplatzrechners mit Anwendungen wie zum Beispiel Bürosoftware ist das sogenannte Thin-Client-Konzept, das dank der Virtualisierungstechnologie neue Impulse erhält. Unternehmen wie Citrix oder nun auch VM-Ware bieten Systeme an, bei denen die Software für alle Arbeitsplätze auf einem zentralen Server läuft. Das senkt die Kosten für die Anwenderunterstützung und beim dezentralen Einspielen von Softwareflicken oder neuen Versionen der Programme.

"Nur einen Server statt vieler Einzelplatzrechner zu pflegen, kann sich für viele Unternehmen rechnen", sagt Thomas Reuner, Research Director IDC in Frankfurt. "Trotz kontinuierlich sinkender Anschaffungskosten für Computer bleiben die Aufwendungen für den Betrieb von Endgeräten ein Dorn im Auge vieler Informations-Vorstände in Konzernen." Während Thin Clients gegenwärtig nur etwas mehr als fünf Prozent des Marktvolumens für PCs in Deutschland ausmachen, wird IDC zufolge der Anteil virtualisierter Desktop-Infrastrukturen bis zum Jahr 2011 mehr als zehn Prozent des Marktes ausmachen.

Vor allem Citrix und Microsoft haben das Potenzial, den Platzhirschen VM-Ware zu überholen. Microsoft hat mit Calista Technologies eine Firma zur Beschleunigung von Anwendungen gekauft, die auf einem zentralen Server betrieben werden. Neben der eigenen Virtualisierungssoftware Hyper-V hat der Riese aus Redmond zudem mit seiner weltweiten Dominanz im Bereich der Büroanwendungen einen mächtigen Stellhebel. Microsoft kann über die Lizenzgebühren für virtualisierte Office-Dienste Einfluss darauf nehmen, ob und wie sich virtuelle Desktops rechnen. Citrix Systems ist schon jetzt der weltweit führende Anbieter von Thin-Client-Lösungen und zudem durch den Kauf der Softwarefirma Xen in den Virtualisierungsmarkt vorgestoßen. Citrix kann also mit einem Heimspiel rechnen, wenn es darum geht, Lösungen für den virtualisierten Desktop anzubieten.

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