Virtuelle Boomtown kriselt Geisterstadt für Space-Cowboys

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„Ich mag Second Life, weil es die einzige virtuelle Welt ist, in der ich meinen Avatar völlig individualisieren kann. Warum sollte ich ein Massenprodukt kaufen?“ fragt Tom Jericho, der seinen wahren Namen nicht verraten mag. Bis zu vier Stunden verbringt der Australier täglich in Second Life. Wie viel Geld ihn das kostet? „Ich brauche kein Geld hier. Eine Wohnung habe ich nicht. Ich bin zum chatten hier.“

Zwar eröffnen immer mehr Second-Life-Geschäfte, sowohl von Privatleuten wie von Großunternehmen – doch der Kommerz wird ausgehebelt durch die Großzügigkeit der Nutzer. Überall locken „Freebies“, Geschenke, die sich unbegrenzt einsammeln lassen: Hier ein Jet zum Fliegen, dort ein Haufen Kleidung, sogar die einst teuren Geschlechtsorgane, die nicht zur Grundausstattung der Avatare gehören, gibt es inzwischen umsonst.

Entsprechend niedrig sind die Umsätze innerhalb der Second-Life-Wirtschaft. Theoretisch kann jeder mit Programmierkenntnissen gesegnete virtuelle Gegenstände erstellen und sie gegen Linden-Dollar verkaufen – oder gegen reale Dollar in Onlinemärkten außerhalb von Second Life.

Einer mit positivem Geldfluss nennt sich Andreas Frankfurter und ist Deutscher in Südamerika. „Ich wollte eigentlich kein Geld verdienen, sondern vor allem keines verlieren“, sagt der Netzwerkmanager. Also entwarf er Gegenstände, die er in der virtuellen Welt noch nicht entdeckt hatte. Zum Beispiel einen elektrischen Bullen, jenes von Wildwestpartys bekannte Rodeogerät. 20 US-Dollar verlangte Frankfurter auf einer Tauschbörse für den virtuellen Gegenstand – schnell waren 50 Stück verkauft.

Doch Frankfurter ist eine Ausnahme. Nur 21 627 Mitglieder nahmen im Januar mehr Geld ein, als sie ausgaben. Über die Hälfte verzeichnete ein Plus von unter zehn US-Dollar. Gerade einmal 97 gehören zur Gruppe der Großverdiener mit einem Plus von über 5 000 Dollar. Selbst wenn die Geschichten um Unternehmer, die in China Tagelöhner knechten, um Linden-Dollar zu erwirtschaften, wahr sind – sonderlich ertragreich scheint dies nicht zu sein. „Man kann keine echten Geschäfte dort machen“, glaubt der israelische Wissenschaftler Sivan.

Die Hoffnung, digitalen Reichtum schnell in realen zu verwandeln, sollte man ohnehin besser nicht hegen: Denn der Wechselkurs des Linden- zum US-Dollar ist variabel. Würden größere Summen umgetauscht, fiele der Kurs sofort.

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