Virtuelle Internet-Welt
Ruf nach Sanktionen gegen Kinderpornos in „Second Life“

Bayern dringt auf ein hartes Vorgehen gegen Kinderpornografie in der virtuellen Internet-Welt „Second Life“. „Wir müssen alles dafür tun, dass Pädophilen kein Raum gegeben wird, ihre Neigungen auszuleben“, sagte Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) am Dienstag in München.

dpa MÜNCHEN. „Ich bin zutiefst erschüttert darüber, dass Spieler in der Internet-Parallelwelt "Second Life" virtuelle Kinder vergewaltigen oder gegen Geld sexuell missbrauchen können.“ Die CSU-Politikerin warnte: „Virtueller Missbrauch von Kindern kann auch recht schnell zu realem Missbrauch führen.“

Stewens reagierte mit ihrem Vorstoß auf einen Bericht des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“ vom Montag. In dem Beitrag hieß es unter anderem, dass ein Teilnehmer von „Second Life“ mit kinderpornografischen Aufnahmen gehandelt habe. „Jeder Ansatz, der Pädophilie in ihren Neigungen fördert, muss raus aus dem Netz“, sagte Stewens. Auch die Betreiber von „Second Life“ stünden in der Verantwortung. Sie müssten die virtuelle Ersatzwelt so programmieren, dass dort sexuelle Kontakte zwischen Kindern und Erwachsenen künftig nicht mehr möglich seien.

Auf Grund der Recherchen von „Report Mainz“ will die Staatsanwaltschaft Halle Ermittlungen gegen unbekannt einleiten. „Dem werden wir nachgehen“, sagte Oberstaatsanwalt Peter Vogt von der Zentralstelle gegen Kinderpornografie. Vermutlich handele es sich nicht um einen Einzelfall. „Ich gehe davon aus, dass nicht nur in einem Raum Kinderpornografie gehandelt wird“, sagte Vogt am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zudem seien in dem fraglichen Raum mehr als 100 Nutzer gewesen. Schon in der Vergangenheit habe es immer wieder Hinweise auf Kinderpornografie gegeben, aber keine Beweise. „Ich gehe davon aus, dass wir recht zügig den deutschen User herausfinden werden.“

Die Behörde in Halle will auch prüfen, ob Kinder und Jugendliche in „Second Life“ an pornografische Darstellungen gelangen können. Auch damit könnte eine Straftat vorliegen. Offiziell dürfen Minderjährige an der virtuellen Welt von „Second Life“ zwar nicht teilnehmen, eine wirksame Kontrolle gibt es dazu bisher aber nicht.

In Deutschland beteiligen sich inzwischen mehr Menschen aktiv an „Second Life“ als in den USA. Nach einer Erhebung des Internet- Forschungsunternehmens Comscore wurden im März 209 000 aktive Nutzer in Deutschland gezählt, in den USA waren es 207 000. 777 000 Europäer stellen 61 Prozent der weltweit knapp 1,3 Mill. aktiven „Second Life“-Nutzer.

In der virtuellen Welt von „Second Life“ sind zunehmend auch wirkliche Polizisten unterwegs. So nehmen die Netzwerkfahnder des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) - die so genannten Cyber-Cops - die Vorgänge in „Second Life“ stichprobenartig unter die Lupe. „Wenn Straftaten festgestellt werden, leiten wir umgehend Ermittlungen ein“, sagte LKA-Sprecher Ludwig Waldinger in München. Die bayerischen Internet-Spezialisten seien aber auch dankbar für Hinweise von anderen Nutzern, denen etwas im Web seltsam vorkomme. Solche Hinweise könnten unter der Mail-Adresse baylka@t-online.de direkt an die Netzwerkfahndung beim Landeskriminalamt gegeben werden.

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