Virtuelle Scheidung

Wieder Single – per Mausklick

Flirtbörsen und Online-Kontaktseiten boomen – um die neue Liebe zu finden, ist das Internet schon sehr populär. Die alte Liebe nach der Heirat wieder loszuwerden ist dagegen kompliziert: Langwierige Verhandlungen beim Anwalt und Gerichtstermine gehören zu jeder Scheidung. Diesen Prozess ebenfalls mit Hilfe des Internets zu vereinfachen ist das Versprechen vieler Anwälte, die Webseiten rund um das Thema Scheidung betreiben.
  • Lars Reppesgaard und Miriam Rössig
Joschka Fischer hat sich von seiner vierten Ehefrau Nicola Leske bereits nach vier Jahren Ehe im Jahr 2003 getrennt. Dem heutigen Ex-Außenminister soll dabei allerdings eine Blitz-Scheidung gelungen sein. Foto: dpa

Joschka Fischer hat sich von seiner vierten Ehefrau Nicola Leske bereits nach vier Jahren Ehe im Jahr 2003 getrennt. Dem heutigen Ex-Außenminister soll dabei allerdings eine Blitz-Scheidung gelungen sein. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. „Die Nutzung im Internet nimmt stetig zu“, erzählt Michael Mayer von der Kanzlei Mayer und Mayer in Baden-Baden, die hinter der Internetseite  www.meine-ehescheidung.de steht. Sie wickelt über diese Seite pro Monat fünf bis sechs Verfahren ab.

Attraktiv wirken die Online-Angebote nicht nur, weil sie Einsparungen bei den Scheidungskosten von bis zu 25 Prozent versprechen. Schließlich teilen sich bei diesem Verfahren die beiden Eheleute einen einzigen Anwalt. „Der Kunde kann sich außerdem über Internet informieren und erspart sich einen Anwaltsbesuch, der Zeit kostet“, erklärt Mayer. Der Münsteraner Anwalt Christian Kieppe, Betreiber von  www.scheidungskosten.com, vermutet außerdem, dass es für die Menschen einfacher ist, etwas Unangenehmes wie eine Scheidung anonym zu Hause am Computer vorzubereiten als im Anwaltsbüro.

Wie funktionieren die Scheidungswebsites? Sind sich beide Ehepartner einig, können sie die Formulare, die für die einvernehmliche Trennung nötig sind, aus dem Internet herunterladen und online an die Kanzlei zurückschicken. „Meist nutzen dies Leute, die nur noch den fehlenden formellen Schritt hinter sich bringen wollen“, beschreibt Christian Kieppe seine Mandanten. „Da gibt es selten Fälle, in denen die Emotionen noch eine Rolle spielen.“

Billiger, als die Trennung über Briefverkehr einzuleiten, ist das allerdings nicht – und das funktioniert heute bereits. „Gegen die Möglichkeit, Daten zu übermitteln, ist nichts zu sagen, aber sehr viel mehr steckt nicht hinter solchen Seiten“, meint Stefan Peitscher, Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Hamm. „Natürlich muss aber, wenn das Verfahren betrieben wird, im Anschluss weiter auf dem Postweg kommuniziert werden.“

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