Voice over IP setzt sich langsam durch
Telefonieren ohne Telefon

Das 1876 von Graham Bell zur Marktreife gebrachte Telefon hat Konkurrenz bekommen. Internet-Telefon heißt der Rivale oder im Fachjargon Voice over IP. Bestes Argument zum Umsteigen ist der wesentlich günstigere Preis.

DÜSSELDORF. Die IT-Analysten und Marktforscher übertreffen sich gegenseitig beim Bejubeln der Technik. Sie prophezeien dem Sprechen über das weltweite Datennetz hohe zweistellige Wachstumsraten pro Jahr. Letztlich werde sie das klassische Telefon ganz ablösen. Das sagen die Experten allerdings schon seit Jahren. Und noch immer fristet Voice over IP ein Nischendasein. Doch Bekanntheitsgrad, technische Zuverlässigkeit und Einsatzhäufigkeit steigen rasant. Der schon so oft beschworene Durchbruch scheint nahe.

Seit Anfang des Jahres können auch Privatkunden in Deutschland relativ einfach über das Internet telefonieren. Die Grundgebühr ist in der Regel deutlich günstiger als bei einem Festnetzanschluss, meist entfällt sie sogar ganz. Und die Gesprächskosten sind verglichen mit Telekom-Tarifen konkurrenzlos günstig – ab 1 Cent pro Minute ins deutsche Festnetz. Doch noch hindern eine nicht ganz triviale Installation und der Verlust der alten Rufnummer viele Menschen am Umstieg.

Zudem hat Voice over IP einen schlechten Ruf bei Sprachqualität und Verbindungsaufbau. In der Vergangenheit waren verzerrte Stimmen, zeitliche Verzögerungen und unterbrochene Telefonate an der Tagesordnung. Mit dem Fortschreiten der Technik und dem Aufkommen von Breitbandanschlüssen gelten diese Probleme aber weitgehend als gelöst.

Nach einer Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Mercer ist eine einwandfreie Übertragungsqualität zwingend nötig, damit Voice over IP sich durchsetzt. Denn kaum einer der 1000 befragten Telefonkunden wäre bereit, Abstriche bei der Qualität zu machen, auch wenn der Preis lockt. Knapp ein Drittel der Telefonnutzer hat Interesse an Voice over IP. Ein Fünftel würde sogar ganz auf den Festnetzanschluss verzichten, wenn die Sprachqualität auf dem gleichen Stand wie beim Festnetztelefon bleibt.

Vorreiter bei der Einführung von Voice over IP sind die Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Denn es ist für sie auf die Dauer einfacher und preiswerter, ein einziges Datennetz innerhalb der Firma aufzubauen und zu warten, als ein Daten- und ein Telekommunikationssystem parallel zu unterhalten. Statt proprietärer TK-Anlagen, die in Anschaffung und Aufrüstung entsprechend teuer sind, ermöglicht günstige PC-Technik die verbale Kommunikation. Das macht auch das teure Servicepersonal für die TK-Anlage überflüssig. 30 Prozent der Kosten lassen sich durch Voice over IP einsparen, sagt Mercer.

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