Vormarsch der Internet-Telefonie
Mobilfunker suchen neue Geldquellen

In der Mobilfunk-Branche gehen die Goldgräber-Zeiten allmählich zu Ende. Grund für die verschlechterten Aussichten ist der Umstand, dass die Märkte in den meisten Industrienationen allmählich gesättigt sind. Hinzu kommen der Vormarsch der Internet-Telefonie und regulatorische Änderungen.

BERLIN. Rudolf Gröger, der Chef der Telefónica-Tochter O2, rechnet bereits mit sinkenden Gewinnspannen für die Branche. "Der Druck auf die Preise wird sich auch auf die Margen auswirken", sagte Gröger im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Der O2-Manager rechnet langfristig damit, dass die Marge des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der europäischen Netzbetreiber um bis zu fünf Prozentpunkte sinken wird. In den vergangenen Jahren hatten die europäischen Marktführer im Mobilfunkgeschäft im Schnitt Bruttorenditen von 35 Prozent erzielt, während kleinere Betreiber wie O2 immerhin noch bei 25 Prozent lagen.

In Deutschland wurde der Marktdruck noch dadurch erhöht, dass im vergangenen Jahr zahlreiche Billiganbieter wie Simyo oder Aldi Talk auf den Markt gekommen waren und daraufhin die Preise verstärkt auf Talfahrt gingen. Gröger erwartet, dass die Preise in den kommenden Monaten weiter deutlich sinken.

Das müsse aber nicht zwangsläufig zu geringeren Umsätzen führen: Die Mobilfunker setzen darauf, dass die Nutzer bei sinkenden Preisen auch mehr mobil telefonieren. So liege Deutschland in der Handy-Nutzung deutlich unter dem westeuropäischen Durchschnitt. Gröger räumt jedoch ein, dass Wachstum damit nicht zu erzielen sein wird: "Selbst wenn wir die Handy-Nutzung steigern, können wir mit Sprache allein künftig unsere Umsätze im besten Fall halten", sagt er. David Kerr, ein Analyst bei der US-Beratung Strategy Analytics, meint sogar: "Die besten Tage der Mobilfunkbranche dürften vorbei sein." Er geht dennoch davon aus, dass für die Mobilfunker noch keine schweren Zeiten anbrechen: Sie würden auch künftig weiter wachsen - allerdings deutlich langsamer als bisher.

Die Branche setzt auf zwei Entwicklungen: Zum einen will sie den Datenverkehr - etwa mit mobiler E-Mail oder neuen Diensten wie Handy-TV - steigern. Zum zweiten kooperieren immer mehr Mobilfunker mit Festnetzbetreibern, um gemeinsam Pakete aus DSL-Anschluss und Mobilfunkvertrag anzubieten. Hintergrund ist, dass der Breitbandmarkt derzeit mit hohem Tempo wächst. Die Mobilfunker hoffen, auf diese Weise einen Teil der Neukunden abzuschöpfen, die DSL-Anbieter derzeit für sich gewinnen.

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