Wachsender Markt
Spiel um die Zukunft

Die Videospielmesse Games Convention öffnet heute ihre Türen. Microsoft und Sony kämpfen um die Vormachtstellung im rasant wachsenden Markt. Entscheidend für die Branche ist die Frage, ob die Spielkonsolen den Schritt ins Wohnzimmer schaffen.

HB LEIPZIG. Ein wenig Familie hier, wohl klingende Hymnen auf die Frau als neue Zielgruppe dort; ein Popkonzert für kreischende Girlies und ein Angebot zur Weiterbildung für engagierte Lehrer. "Kuscheln statt killen" scheint das Motto der Videospielemesse Games Convention in Leipzig zu sein. Eine Branche, die gemeinhin mit militanten Computerspielen, die Kinder angeblich süchtig, aggressiv und dick machen, in Verbindung gebracht wird, gibt sich auffällig handzahm.

Doch hinter den Kulissen ist es wie eh und je. Da wird so brutal um Marktanteile gekämpft wie auf den Bildschirmen der Messestände gegen Weltraummonster. Es geht um Milliarden von Dollar und die multimediale Vorherrschaft in den Wohnzimmern. Die Akteure sind bekannt: Sony, Microsoft und Nintendo.

Wenn heute die "GC" beginnt, wird sich alles um einen Star drehen, der praktisch abwesend ist: Sonys Wunderkonsole Playstation 3, kurz "PS3". Das bis zu 600 Dollar teure Spielgerät wird zur allgemeinen Verstimmung der Besucher nicht als spielbares Produkt auf dem Sony-Stand zu sehen sein. Lediglich hinter Glas wird gezeigt werden, womit Sony ab dem 11. November die "interaktive Unterhaltung" - wie die Branche sich heute nennt - im Sturm erobern will.

Die schieren Daten zumindest beeindrucken: Der Cell-Prozessor der "PS3" bietet eine Rechenleistung, die alles in den Schatten stellt, was an PC in Privathaushalten bis dato herumsteht. Sie geht online, kann Musik und Bilder speichern, hat Grafik in Kinoqualität und kann theoretisch TV-Programme entschlüsseln. Kurz, sie soll eines: den früher als "Daddelkisten" verspotteten Spielzeugen einen triumphalen Einzug in die Wohnzimmer verschaffen. Sony-Deutschland-Chef Manfred Gerdes versichert:

"Spielekonsolen haben das Potenzial, zur zentralen Unterhaltungsplattform in Privathaushalten zu werden."

Doch was für die einen bereits als ausgemachte Sache gilt, ist für andere pures Wunschdenken. Joachim Reinhart etwa winkt ab. Der deutsche Manager hat es als einziger Nicht-Japaner bis ins Board von Panasonic im japanischen Osaka geschafft, die Machtzentrale des größten Unterhaltungselektronikherstellers der Welt. Und er sagt: "Die Teilung zwischen Wohnzimmer und Spielekonsole im Kinderzimmer ist intakt. Diese reale Lebenssituation darf man doch nicht außer Acht lassen." Da sei der Fernseher immer noch das "Möbelstück", um das sich die Familie versammelt, wenn Gottschalk kommt.

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