Was das Netz bewegt
Enthüllungen bei den Enthüllern

Der deutsche Wikileaks-Sprecher zieht sich aus dem Projekt zurück – und Gründer Julian Assange steht zunehmend isoliert da. Wired veröffentlichte in dieser Woche bisher geheime Interna aus dem Projekt. Außerdem in der Netz-Umschau: Googles Giftliste, aufgeregte Deutsche und Protest 2.0 gegen Stuttgart 21.
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DÜSSELDORF. Daniel Schmitt heißt eigentlich Daniel Domscheit-Berg – und hat die Enthüllungs-Website Wikileaks verlassen, wie er in einem Spiegel-Interview offenbarte. Mit Details rückte Schmitt alias Donscheit-Berg zunächst nicht raus – doch in Zeiten des Internets kann man sich auf Enthüllungen selbst bei den Enthüllern verlassen. Wired veröffengtlichte in dieser Woche Chat-Protkolle, die die Differenzen im Projekt offenlegen. Im Tagesspiegel kündigte der bisherige deutsche Wikileaks-Sprecher eine Konkurrenz an.

Mitstreiter hat Domscheit-Berg für seine Wikileaks-Revolte offenbar auch schon gefunden. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wollen knapp ein Dutzend aus der Wikileaks-Führungsriege das Projekt verlassen. Dem Chat-Protokoll zufolge hat übrigens ausgerechnet die Angst vor undichten Stellen den Streit zwischen Domscheit-Berg und Assange ausgelöst. Intransparenz und Geheimhaltung funktionieren also offenbar auch für ein Projekt, das sich Transparenz auf die Fahnen geschrieben hat, nicht.

Assange ließ es sich nicht nehmen, per Twitter nachzutreten, nachdem Domscheit-Berg seinen Rückzug bekanntgab. Schon im Interview mit Handelsblatt Online vom Juli dieses Jahres rückte der ruhig auftretende Domscheit-Berg vorsichtig von all zu idologischen Positionen des Wikileaks-Gründers Assange ab – und räumte Fehler des Projekts ein. Assange geriet danach zunehmend in die Kritik, beispielsweise als er nach der Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente mehrmals von „Kriegspropaganda“ sprach und sich auf Nachfrage von Journalisten weigerte, seine Wortwahl zu begründen. Zu allem Überfluss reihte sich in dieser Woche auch noch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales in die Reihe der Kritiker ein. Die Zersplitterung des Projekts müsste indes im Grunde ganz im Sinne der Initiatoren sein, die immer betonten, es gehe es darum, viele Wikileaks zu schaffen.

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