Was das Netz bewegt
Microsoft wird zum Retter der Verfolgten

Liebesgrüße nach Moskau: Um russischen Behörden das Vorgehen gegen Regierungskritiker zu erschweren, erlaubt Microsoft den Verfolgten die Nutzung illegaler Software. Außerdem in der Netzumschau: Ein Google-Mitarbeiter spioniert Minderjährige aus, der schnelle Aufstieg der Apps, Microsofts neuer Internet Explorer und der Verkauf von „@Israel“.
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DÜSSELDORF. In Russland ist illegal kopierte Software an der Tagesordnung, was die Behörden des Landes in der Regel wenig stört. Eine Ausnahme machen die Ermittler allerdings in Fällen, die der russischen Regierung ein Dorn im Auge sind – wie beispielsweise Menschen- und Bürgerrechtler sowie Umweltschutzgruppen. Äußern sich die Gruppen kritisch über die Regierung, wird auf diese Weise gerne wichtiges Arbeitsmaterial beschlagnahmt. Die New York Times berichtete, dass sich Microsoft in solchen Fällen als williger Helfer der russischen Strafverfolger erweise.

Microsoft hat die Vorwürfe nicht nur zurückgewiesen, sondern sogar eine radikale Schwarzkopie-Amnestie erlassen, um russischen Behörden keinen Vorwand mehr für Razzien zu bieten. Der Konzern führt eine kostenlose Lizenz für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ein – und die gilt sogar nachträglich für Microsoft-Software aus zweifelhaften Quellen. Die russischen Behörden werden sich andere Vorwände suchen müssen, um gegen Oppositionelle vorzugehen.

Wie böse ist Google wirklich?

Mit „Do no evil“ wirbt Google um Vertrauen. Was ist schlimm daran, wenn ein Konzern viele Daten hat, wenn er nur verspricht, sorgsam damit umzugehen? In der Tat gilt Google als bisher relativ frei von großen Datenschutzskandalen – von dem laut Google versehentlichen Sammeln von WLAN-Kennungen durch Google Street View abgesehen. Das Problem ist eher: Einem Konzern kann man anders als einem Menschen nicht vertrauen, denn das hieße, dass man jedem einzelnen derzeitigen und künftiger Mitarbeiter mit dem Zugriff auf persönliche Daten bei Google vertrauen müsste – und niemand weiß, wer das alles ist und noch sein wird.

Nun hat einen 27-Jährigen Google-Mitarbeiter die Regeln klar gebrochen und Teenager ausspioniert, indem er Chat-Protokolle mitgelesen und Internet-Telefongespräche von Google Voice mitgehört hat, wie Valleywag berichtet. In mindestens vier Fällen soll es sich sogar um die Konten Minderjähriger gehandelt haben. Dem Bericht zufolge hatte er die Ausspionierten sogar über seinen Lauschangriff informiert und beispielsweise einen 15-Jährigen verhöhnt, weil er nun Name und Telefonnummer seiner Freundin kenne.

Microsoft beschleunigt HTML5

Während alle Welt über Apps, Facebook und Google spricht, spielt Microsoft auf den Zukunftsmärkten derzeit kaum wahrnehmbar mit. Zumindest beim Browser will Microsoft jetzt aber das „Next Big Thing“ nicht verschlafen und unterstützt mit dem Internet Explorer 9 endlich HTML 5. Eine erste Betaversion wurde am Mittwoch vorgestellt. Optisch orientiert sich der neue Browser eindeutig an dem zurückgenommen Design von Googles Chrome – und auch unter der Haube wurde kräftig nachgebessert.

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