Was das Netz bewegt
Mit der Scharia gegen Twitter-Links

Durch Twitter haben Webadressen-Kürzer wie Bit.ly Konjunktur: Weil nur 140 Zeichen zur Verfügung stehen, wird gespart, wo es nur geht. Doch die URL-Kürzer mit den exotischen Namen haben ihre Tücken. Auch ansonsten ist das Netz gefährlich: Ein Witz auf Twitter wird zum Boomerang und Unternehmen, die Groupon nutzen, sagen häufig: Nie wieder.
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DÜSSELDORF. Sogenannte URL-Shortener, also Webadressen-Verkürzer, haben kryptische Namen wie is.gd, Bit.ly oder vb.ly. Die exotischen Domain-Namen sollen - wie ihr Name andeutet - die oft langen und umständlichen Webadressen in leichter verwertbare Häppchen verwandeln.

Doch das hat seine Tücken, denn hinter den exotischen Endungen stehen die Domainräume von Staaten mit teils alles andere als liberalen Internet-Gesetzen. Die für URL-Shortener beliebte Endung „.ly“ steht beispielsweise für Gaddafis Libyen. Und die Regierung des exzentrische Staatsführers hat vb.ly nun abschalten lassen, wie die Betreiber mitteilen. Die Begründung der zuständigen Behörde: Inhalte, auf die die mittels vb.ly gekürzten Links verwiesen, verstießen gegen die Scharia.

Twitter-Nachrichten, die vb.ly nutzten, werden damit nun unlesbar – es ist nicht mehr möglich herauszufinden, auf welche Seite sie verwiesen. Auch Twitter selbst sollte die Nachricht aufhorchen lassen: Der offiziell von Twitter eingesetzte URL-Shortener bit.ly, mit der Webadressen teils automatisch gekürzt werden, liegt ebenfalls im libyschen Domainraum. Deutlich sicherer dürfte es sein, Domain-Endungen von Ländern zu nutzen, bei denen die Einführung von Scharia-Gesetzen derzeit nicht auf der Tagesordnung steht - .gd von is.gd steht beispielsweise für Grenada, laut Wikipedia zu 99,8 Prozent christlich.

Allerdings sind URL-Dienste nicht nur durch religiöse Gesetze bedroht. Bereits im September stellte u.nu seinen Service ein – allerdings freiwillig. Die Macher des Dienstes bedauerten, dass ihr Service zu häufig von Spammern missbraucht würde, um damit Spam-Adressen zu kaschieren. Allerdings funktionieren alte u.nu-Adressen immerhin noch.

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  • Vorab: ich finde es sehr positiv über das Titel-Thema zu berichten. Denn im täglichen Gebraucht denkt man selten an gesetzliche Schranken via Domain-Ländereien.

    bei folgendem Satz fehlen mir allerdings die Worte: "Deutlich sicherer dürfte es sein, Domain-Endungen von Ländern zu nutzen, bei denen die Einführung von Scharia-Gesetzen derzeit nicht auf der Tagesordnung steht - .gd von is.gd steht beispielsweise für Grenada, laut Wikipedia zu 99,8 Prozent christlich."

    Sicherheit nur im christlichen Raum oder was soll dieser Satz aussagen? Von einem Artikel des Handelsblatts würde ich etwas mehr Sorgfalt bei der Wortwahl wünschenswert finden!

    Und wo der Zusammenhang zwischen Twitter-URL-Sharia, Facebook-Daten und dem Groupon-blogwerbe-Absatz ist, bleibt mir ebenfalls schleierhaft.

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