Was stimmt wirklich?

Die Mythen um den 3D-Druck

Der Hype um 3D-Drucker ist groß – so wechselt der kleine Gerätehersteller Makerbot jetzt für 400 Millionen Dollar den Besitzer. Doch viele Erwartungen an die Technologie sind überzogen. Die größten Mythen im Überblick.
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Untersuchungen im Windkanal: Am Institut für experimentelle Strömungsmechanik der TU Berlin nutzen Forscher 3D-Modelle von neuen Fahrzeugen.

Untersuchungen im Windkanal: Am Institut für experimentelle Strömungsmechanik der TU Berlin nutzen Forscher 3D-Modelle von neuen Fahrzeugen.

1. Mythos: 3D-Druck ist eine neue Technologie
Auch wenn Firmen wie Makerbot noch jung sind: Die Technologie ist viel älter. Den ersten funktionierenden 3D-Drucker entwickelte 1984 Charles Hull, Gründer der Firma 3D Systems. Wenige Jahre später kamen dreidimensionale Druckverfahren bereits in der Industrie zum Einsatz, um Modelle oder Prototypen zu erstellen, etwa bei den Autoherstellern. Rapid Prototyping nennen die Fachleute das. Dank technischer Fortschritte ließen sich später auch Objekte in Produktionsqualität drucken – Rapid Manufacturing lautet der Fachbegriff. Diese industriell genutzten Geräte mit den wenig aufregenden Namen kosten oft sechsstellige Summen.

Dass heute so viel über 3D-Drucker geschrieben wird, hat andere Gründe. Zum einen macht die Wissenschaft faszinierende Fortschritte. Forscher in Schottland haben beispielsweise ein Druckverfahren entwickelt, das mit embryonalen Stammzellen arbeitet – Fernziel: Organe nachbauen. Zum anderen machen Firmen wie Makerbot und Sculpteo die Technologie massentauglich. Mit einem CAD-Programm kann heute im Prinzip jeder ein Modell zeichnen und selbst drucken oder bei einem Dienstleister bestellen. Beides ist zwar nicht ganz billig, aber für einen passionierten Tüftler durchaus bezahlbar. So ist eine wachsende Szene von Hobby-Designern entstanden.

3D-Drucker für jeden Haushalt?

2. Mythos: 3D-Drucker lösen das Fließband ab

Der 3D-Druck ist in der Tat revolutionär: Nie zuvor gab es eine Technologie, mit der sich so leicht Ideen in die Realität umsetzen lassen, aus Bits Atome werden. Das heißt aber nicht, dass das Produktionsverfahren auch eine industrielle Revolution entzündet und herkömmliche Fabriken überflüssig macht.

Denn im Vergleich zur industriellen Massenproduktion haben 3D-Drucker einen entscheidenden Nachteil: Sie sind zu langsam und zu teuer. Das liegt in der Natur des Produktionsverfahrens. Die Geräte erstellen die Objekte nicht auf einmal, sondern fügen Schicht auf Schicht – und das dauert Stunden oder sogar Tage. Dann ist das Druckmaterial immer noch unverhältnismäßig teuer, vergleichbar mit der Tinte eines 2D-Druckers. Überdies gibt es bei der Produktion keine Größenvorteile, anders als in einer Fabrik. Selbst wenn die Technologie solche Fortschritte macht wie einst der Computer (der über die Jahrzehnte immer kleiner, billiger und leistungsfähiger wurde), ändert sich daran so schnell nichts.

Ihre Stärke spielt die Technologie indes bei Einzelanfertigungen und Kleinserien aus. Ein Beispiel: Wenn ein Ingenieur ein seltenes Ersatzteil benötigt, ist es womöglich billiger, dieses drucken zu lassen, als eine Produktionsstraße umzurüsten oder einen Handwerker zu beauftragen. Es gibt viele solcher Exempel: Hochgerüstete Dentallabore stellen so individuelle Zahnkronen her, Akustiker an die Ohrmuschel angepasste Hörgeräte. Autohersteller bauen Vorserienmodelle, Schmuckdesigner fabrizieren Accessoires in kleiner Auflage.

„So wie die Mikrowelle nicht alle anderen Formen des Kochen ersetzt hat wie anfangs vorhergesagt, wird der 3D-Druck auch nicht andere Herstellungstechnologien ersetzen“, schreibt Carl Bass, Chef der Software-Firma Autodesk, in einem Beitrag für das Magazin „Wired“. Er sieht darin eher eine Ergänzung.

Es ist noch viel Forschung nötig
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17 Kommentare zu "Was stimmt wirklich?: Die Mythen um den 3D-Druck"

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  • @pit: Der 'Zweck des Artikels' ist, die in letzter Zeit in den Medien aufgetauchte Behauptung kritisch zu hinterfragen "der 3D-Druck wäre eine neue industrielle Revolution". Und damit hat er zu 100% Recht! Ein künstlicher Hype - kein "Meilenstein" sondern ein eher unspekatakulärer Nebenschauplatz technischen Fortschritts.

  • Ich verstehe den Zweck des Artikels nicht. Es ist doch klar, dass diese Technik wie alle anderen auch Zeit braucht und dass die Weiterentwicklung neue Einsatzmöglichkeiten eröffnet. Heute darüber zu schwadronieren ob die 3D Technik etwa bei VW neben dem Fließband die Getriebezahnräder in JIT herstellt ist unrealistisch. Aber ein Großteil unserer Industrie produziert in Kleinserien oder Variantenproduktion oder auch in Einzelfertigung ihre Produkte her. Ich sehe daher den Einsatz erst einmal in diesen Bereichen. Modelle für unsere körpereigene Ersatzteile wie Herz, Nieren, Zähne etc. oder Teile in der Raumfahrttechnik. Wie es dann weitergeht... Von der Erfindung des Rads bis zu seinem Einsatz in pharaonische Kampfwagen, in der Dräsine im KFZ - das hat ja auch seine Zeit gebraucht.

  • Wenn ich mir die beiden (in ihren Kernaussagen nahezu identischen - warum veröffentlicht und bezahlt Handelsblatt das eigentlich zwei mal?) Artikel des Herrn Kerkmann durchlese und dann die zitierten Aussagen der US-amerikanischen und deutschen Experten dazunehme - sowie die meisten der kritischen Kommentare hier, dann wird es plötzlich sehr verständlich, dass Unternehmen wie google, amazon, ebay apple usw. immer aus den USA kommen und aus Deutschland nur die ans Plagiat grenzenden Nachfolger z.B. der Samwer Brüder.
    Bedenkenträger und phantasielose Linearextrapolierer aller Länder, vereinigt Euch in Deutschland und genießt Euren "Expertenstatus"

  • Deswegen ja auch noch. Ansonsten sind sie kein Gesprächspartner für mich.

  • Für Kleinserien BSD/Linux-Appliances (< 5 Stück die Woche) ausreichend schätze ich! Service / Support damit verbundene Dienstleistung nicht das Gerät werden "vermietet".

    http://de.wikipedia.org/wiki/Appliance

  • Es gibt aber auch bereits preiswerte Lösungen,welche sogar mit variablem Druckraum schon deinen können. Hier z.B.:
    http://www.fabbmatic.com/

  • Die Realität ist, dass die Dinge, die man "Drucken" kann nicht wirklich die Anforderungen erfüllen können, die das Original erfüllen muss. Sei es in Punkto Zehntelmillimeter-Genauigkeit oder Materialqualität, um technische Anforderungen einzuhalten. Man kann nur sogenannte Prototypen drucken, um sie als Muster auszuprobieren, mehr nicht. Alles andere sind Gedankenwirbel von Reportern, die mal wieder aufdrehen, um die Leser anzulocken.

  • Hallo Ockham...ich finde 3D Drucker grundsätzlich prima.

    Allerdings bedarf es in der Tat noch einiger Entwicklungen bis diese mehr machen können als Prototypen und Anschauungsmuster herzustellen.

    Aktuell muss ein 3D CAD File des zu fertigenden Produkts erstellt werden. Nur wenige Mitmenschen können mit 3D CAD arbeiten. Grossartig wäre es wenn es einfache und verständliche 3D CAD Programme gäbe (Apfel i - CAD??). Schön wäre es wenn es preiswerte Geräte zur Vermessung von Gegenständen gäbe.

    Die Materialeigenschaften der durch Lasersintern und dergleichen erzeugten Gegenstände lässt sehr zu wünschen übrig. Die Dichte beträgt häufig lediglich 2/3 der theoretischen Dichte. Die Produkte haben eine geringe Festigkeit, sind spröde, etc. Hier gibt es noch viel zu tun.

    Vandale

  • Die Geräte, die ich auf der Hannovermesse bestaunen konnte, waren schon beeindruckend. Allerdings noch viel zu teuer und viel zu langsam! Für die Industrie, um einen Prototypen auszudrucken aber durchaus schon interessant. Dass wir alle in ein paar Jahren einen 3D-Drucker auf dem Schreibtisch haben werden, halte ich für eher unwahrscheinlich. Jede Menge Dienstleister, bei denen man sich etwas ausdrucken lassen kann, wird es aber mit Sicherheit schon sehr bald in nennenswerter Anzahl geben.

  • Für mich ist dieser Artikel wenig nachvollziehbar und auch nicht plausibel. Wenn ich mich auf dem Weg von meinem Zuhause bist zu meinem Büro einmal umschaue, was mit der jetzigen Technik bereits jetzt aus einen 3D Drucker stammen könnte, bin ich mir sicher, dass der Einfluss dieser Technologie auf unseren Alltag in den nächsten Jahren erheblich steigen wird.

    Die komplexe Anwendung ist auch mit einem "noch" zu versehen, da werden Entwickler mit Software, Prüfzeichen und Algos mit der Zeit genau dafür Sorgen, dass man problemlos freie Modelle sorgenfrei ausdrucken kann und keinen Datengrütze aus dem Drucker kommt. Bleibt der Preis für den Rohstoff, der größtenteils aus Kunststoff besteht und sich den Grenzkosten annähern wird, in wenigen Jahren wird der Rohstoff also kaum mehr kosten, als man für ein Bündel Plastiktüten auch ausgibt...

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