„Web 2.0“ bei der Medienwoche
Der Blogger, das unbekannte Wesen

Ein Anker mit dem Slogan „I live by the River“, dazu hippe T-Shirts und Tassen mit Logo: Auf den ersten Blick sieht das Kellerbüro von „Spreeblick“ in Kreuzberg aus wie einer der vielen kleinen Modedesignerläden in Berlin. Aber das ist ganz falsch.

dpa BERLIN. „Spreeblick.com“ ist einer der beliebtesten deutschen Blogs, wie die interaktiven elektronischen Journale (Weblogs) heißen, und wurde wie „Riesenmaschine.de“ 2006 mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet. Täglich hat „Spreeblick“ nach eigenen Angaben etwa so viele Leser wie eine Lokalzeitung. Die T-Shirts und Tassen gehören zum Shop des Verlags.

Noch wissen viele Deutsche nicht, was sich hinter den Blogs verbirgt. Die Zahlen zur Szene jedoch sind beeindruckend: Jede Sekunde entsteht angeblich weltweit ein neues virtuelles Tagebuch, und das kalifornische Unternehmen Technorati erwartet, dass sich die Anzahl der Blogs alle fünfeinhalb Monate verdoppelt, weltweit sollen es bereits mehr als 50 Mill. sein. Für Deutschland wird die Zahl der Blogs auf zwischen 400 000 und 500 000 geschätzt. Nico Lumma von „Blogg.de“, bei dem Internetnutzer sich ein solches Journal anlegen können, hält die Zahlen allerdings nicht für sehr aussagekräftig, weil ähnlich wie bei E-Mail-Adressen nicht jede angemeldete Seite genutzt wird. „Die Blogosphäre wächst langsam, aber stetig“, sagt er.

Ob das von Internetnutzern erstellte Universallexikon „Wikipedia“, die Videobörse „Youtube.com“ oder die Kontaktbörse „Myspace.com“: Das Interesse am World Wide Web ist fast wieder so groß wie zu Zeiten des ersten Internetbooms. Vorher ging es um das schnelle Geld, jetzt soll es um den einzelnen Nutzer und die Macht des elektronischen Kollektivs gehen. Ob Bilder von Hundehaufen oder banaler Tagebucheintrag, ob Reisebericht, fundierte politische Analyse oder Medienkritik: Jeder sagt, zeigt und schreibt so ziemlich, was er will, und das bei potenziell weltweiten Reaktionen.

Besonders bei Kriegen und Naturkatastrophen haben etablierte Medien den Wert der Internet-Tagebücher zu schätzen gelernt. Der „Spiegel“ widmete der neuen Internetgeneration („Web 2.0“) und dem „bunten, chaotischen Mitmach-Marktplatz“ kürzlich eine Titelgeschichte. Auch bei der Medienwoche Berlin-Brandenburg geht es an diesem Donnerstag um die „digitale Avantgarde“.

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