Web 2.0-Konferenz
Warum die Republica kein Treffen der Nerds ist

Am Mittwoch startet die Republica, eine der größten deutschen Konferenzen über Blogs, soziale Medien und digitale Gesellschaft. Wir sagen, warum das auch die angeht, die im Web 2.0 nicht zu Hause sind.
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DüsseldorfRepublica – ist das nicht dieses seltsame Blogger-Treffen, bei dem komische Menschen mit komischen Brillen zusammenkommen, die den ganzen Tag im Internet surfen und keine Freunde haben? Wer diese Frage insgeheim mit „Ja“ beantwortet, verkennt die Bedeutung der deutschen Konferenz rund um soziale Medien und die digitale Gesellschaft. Denn: Die Republica ist kein Treffen einiger „Spinner“. Sie ist viel mehr. Wir sagen, warum.

Das Netz geht alle an

Das Netzt ist längst kein Ort (mehr), an dem sich ausschließlich Freaks und Nerds treffen. Soziale Netzwerke beispielsweise können eine Strahlkraft entwickeln, die weit über Twitter und Facebook hinausgehen und in den Alltag hereinreichen. Das zeigen zum Beispiel die Proteste des Arabischen Frühlings. Das zeigen auch Aktionen wie Alle gegen BILD. Auch auf der Republica, die 2012 zum ersten Mal in einem größeren Rahmen in der Station-Berlin stattfindet, werden einmal pro Jahr Themen diskutiert und vorangetrieben, die sehr wohl eine allgemeingesellschaftliche Bedeutung haben. Nicht zufällig gab der Blogger Markus Beckedahl im Rahmen der Republica 2011 die Gründung der „Digitalen Gesellschaft“ bekannt. Der Verein versteht das Netz als wichtigen „Teil des Alltags“ und möchte netzpolitische Themen noch mehr in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskussion stellen. Denn eins ist klar: Auch wenn es immer Menschen geben wird, die ohne Facebook, Smartphone und kostenloses WLAN  wunderbar zurechtkommen – für die nachwachsende Generation, also die sogenannten Digital Natives, gehört das Netz zur täglichen Lebenswirklichkeit. Mit dieser Lebenswirklichkeit beschäftigen sich die Vordenker schon heute – nicht nur, aber auch auf der Republica.

 

Visionen entwickeln

Staunen, sich begeistern (lassen), neue Visionen entwickeln: Auf der Republica zeigt sich immer wieder, wie vielfältig das Netz ist und welche Möglichkeiten es bietet. Wer hätte sich zum Beispiel vor fünf Jahren träumen lassen, dass der Regierungssprecher Steffen Seibert seine Mitteilungen heute auch via Twitter verbreitet? Dass sich Film- und andere Projekte durch spezielle Crowdfunding-Projekte tatsächlich finanzieren lassen? Dass Lehrer sogenannte OpenLearning-Plattformen nutzen, bei denen die traditionelle Trennung zwischen Lehrenden und Lernenden aufgehoben wird? Neue technische Errungenschaften sind Herausforderung und Chance zugleich. Nicht immer ergibt alles Sinn, nicht immer ist alles machbar. Die Republica bietet den Rahmen für Diskussionen und neue Wirklichkeiten – für die gesamte Gesellschaft.

 

 Comdirect Finanzblog Award

Am ersten Konferenztag wird der Comdirect Finanzblog Award vergeben. Mit dem Preis werden qualitativ herausragende Weblogs ausgezeichnet, „die Privatanleger unabhängig, verständlich und kompetent über Finanz- und Anlagethemen informieren“. Mit dem „Handelsblog“ ist in diesem Jahr auch einer der Handelsblatt-Weblogs nominiert. „Die Szene der deutschen Wirtschaftsblogs hat sich in den letzten zwölf bis 18 Monaten beeindruckend entwickelt. „Umso mehr freut es mich, dass wir nominiert sind“, erklärt Handelsblatt-Redakteur und Blogger Olaf Storbeck. Er und seine Kollegen müssen allerdings gegen harte Konkurrenz „ran“: Unter anderem sind auch die Blogs „Blick Log“, „Mr. Market“ und „Wirtschaftswurm“ für den Preis nominiert.

 

Sascha Lobo

Der Autor und wohl bekannteste und umstrittenste Blogger wird auch in diesem Jahr einen Vortrag auf der Republica halten. Sein Thema ist noch nicht bekannt, wird als Überraschung angekündigt. Aber fest steht schon jetzt: Lobo, der auch Kolumnen für Spiegel Online schreibt, ist jemand, der Massen nicht nur spalten, sondern auch bestens unterhalten kann. Der Mann mit der auffälligen Frisur macht einfach Spaß – egal ob er über Internet-Trolle, also Nutzer, die die Kommunikation im Internet stören, oder Empörungswellen, neudeutsch Shitstorms, spricht. Und für alle, die weder mit Trollen noch mit Shitstorms etwas anfangen können, ist Lobo, der schon mal bei Anne Will getalkt und für Vodafone Werbung gemacht hat, zumindest das: ein Beispiel für die gelungenes Eigenmarketing in der digitalen Welt. 

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

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