Web 2.0
Mut zur Kommunikation mit offenem Visier

Im Kommentarbereich auf Handelsblatt Online ruft Online-Chefredakteur Oliver Stock die Nutzer dazu auf, ihre Kommentare künftig unter Klarnamen zu posten. Nicht alle Nutzer finden die Idee gut.
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DüsseldorfDie Anonymität in Online-Foren und Communitys führt nicht nur zu regen, gewinnbringenden Diskussionen. So mancher User nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er für das Gesagte nicht mit seinem Namen bürgt. Für den guten Ton im Netz plädieren deswegen Handelsblatt-Online-Chef Oliver Stock und Handelsblatt-Redakteur Sven Prange unter dem Titel „Das Netz ist keine Toilettenwand“. In ihrem Artikel bemängeln Stock und Prange den Umgangston im Internet. Von Shitstorms und Kommentaren anonymer Nutzer ist die Rede, die allzu häufig unter die Gürtellinie gehen.

Innerhalb der Kommentarfunktion auf Handelsblatt Online richtet sich Oliver Stock deswegen persönlich an die Nutzer: „Wir möchten wissen, mit wem wir diskutieren. Wir glauben, dass es zu einem fairen Umgang miteinander im Netz gehört, sich offen gegenüberzutreten“, schreibt der Online-Chef und löst damit eine kontroverse Debatte über das Für und Wider von Klarnamen in Internetforen aus.

So schreibt Eva Maria Palmer in der Handelsblatt-Community: „Die Bitte an die Forumsteilnehmer, sich mit Klarnamen anzumelden, sollte kein Wunsch sein, sondern Voraussetzung für den Zugang zum Forum (sein).“ Damit würden sich „heimtückische Heckenschützengefechte“ vermeiden lassen. Hans Pellas Meinung dazu ist ähnlich. „Politiker und auch Redakteure schreiben unter Echtnamen“, deshalb sollte sich niemand hinter einem Nickname verstecken.

Der – anonyme – Nutzer „Politikverdrossen“ sieht das allerdings kritisch. Seinen Namen will er in Forumsdiskussionen auf keinen Fall preisgeben: „Meine Meinung soll die Diskussion bereichern, aber ich will mir nicht Gedanken machen, was in meinem Fall politisch korrekt ist.“ „Politikverdrossen“ fürchtet, sich bei seinen Kollegen, Mitarbeitern und Freunden für seine Meinung rechtfertigen zu müssen. Der - ebenfalls anonyme - Nutzer „Slowhand“ stimmt ihm zu: „Ich habe keine Lust, mir eine Fackel ins Haus schmeißen zu lassen.“ Johannes Schmidt hingegen macht auf einen „wunden Punkt“ aufmerksam, der „in der ach so transparenten Netzöffentlichkeit“ tabuisiert werde: „Ein friedvolles und angenehmes Zusammenleben benötigt Reziprozität, Verantwortlichkeit und Manierlichkeit.“

Das Bemerkenswerte an der Diskussion: gleich welcher Meinung die Beteiligten sind, sie kommen ohne Pöbeleien aus.

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