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WEB.DE feiert als einstiger Pionier zehn Jahre kommerzielles Internet

Bei dem Karlsruher Internetportal-Betreiber WEB.DE herrscht Aufbruchstimmung. Den überraschenden Plan der beiden Gründer Michael und Matthias Greve segneten die Aktionäre auf der zweitägigen Hauptversammlung Ende der vergangenen Woche mit überwältigender Mehrheit ab.

dpa KARLSRUHE. Bei dem Karlsruher Internetportal-Betreiber WEB.DE herrscht Aufbruchstimmung. Den überraschenden Plan der beiden Gründer Michael und Matthias Greve segneten die Aktionäre auf der zweitägigen Hauptversammlung Ende der vergangenen Woche mit überwältigender Mehrheit ab.

Das Unternehmen verkauft das lukrative Portalgeschäft zu Gunsten der Entwicklung eines neuen innovativen Kommunikations-Produkts an United Internet. Dabei feiert das Portal WEB.DE gerade einen runden Geburtstag. Vor zehn Jahren starteten die Brüder Greve als Pioniere mit ihrem ersten Webauftritt und markierten damit die Geburtsstunde des kommerziellen Internet.

Vor rund zehn Jahren unternahm das weltweite Datennetz seine ersten großen Schritte hin zu einem Massenmedium. Die Voraussetzung dazu entstand Anfang der neunziger Jahre mit dem World Wide Web, der ersten grafischen Benutzeroberfläche für das Netz. Schon bald, um 1995 herrschte in vielen Verlagen hektische Betriebsamkeit. Große Magazine wie „Stern“ und „Spiegel“ gehörten zu den Ersten, die den Sprung mit zunächst wie „handgestrickt“ wirkenden Webauftritten in das weltumspannende Netz wagten. Man eignete sich den Umgang mit neuer Gestaltungs- und Webmanagementsoftware an und experimentierte mit Hyperlinks, interaktiven Buttons und neuartigen Grafikwerkzeugen. Werbeagenturen arbeiteten fieberhaft an der Gestaltung ihrer ersten Werbebanner in dem völlig neuen Medium.

Dass ihre ersten Gehversuche im Internet einmal als historisches Ereignis gefeiert werden könnten, daran haben die Firmengründer Greve offensichtlich nicht gedacht. Die allererste Homepage - noch völlig werbefrei - sei vermutlich verloren gegangen, gesteht Eva Vennemann von WEB.DE. Bislang sei die intensive Suche ergebnislos verlaufen. Die erste erhaltene Homepage stammt von 1996, die erste mit Werbeschaltungen. Mit zunächst etwa 25 Mitarbeitern bastelten die Netzpioniere in Karlsruhe damals an der Realisierung ihrer Geschäftsidee - einem Internet-Adressverzeichnis. Bald darauf zog das damals noch junge Unternehmen in das Fabrikgebäude der insolvent gegangenen Nähmaschinen-Fabrik Pfaff in Karlsruhe-Durlach. Heute bevölkern die ehemaligen Fertigungshallen mehr als 400 Mitarbeiter.

Das eigentliche Herz des Unternehmens befindet sich allerdings in den Kellerräumen der Pfaff-Fabrik. Dort brummen die Leitungen des mächtigen Rechenzentrums, das in rund hundert Schränken untergebracht ist. „Hier gehen täglich 45 Mill. Nachrichten ein“, berichtet der IT-Sicherheitsverantwortliche von WEB.DE, Kristian Köhntopp. Etwa 60 Prozent davon seien allerdings Spam-Mails, die automatisch abgewiesen werden, sagt WEB.DE-Mailexperte Tino Anic. Jede der bisher drei Rechenräume sind rundherum durch zwei schwere Stahlbleche geschützt. Die Zwischenräume sind mit einem speziellen Gel gefüllt. „Selbst wenn die Fabrik abbrennen sollte, sind die Zellen damit vor der Hitzeentwicklung geschützt“, sagt Köhntopp.

Mit einem Verkaufspreis von 330 Mill. Euro haben sich die WEB.DE-Aktionäre Ende vergangener Woche den Erfolg des Webportals versilbern lassen. Die möglichen Erfolgsaussichten der neuen Geschäftsidee Combots der Greve-Brüder dürften bei vielen Branchenbeobachtern und vermutlich auch unter den Aktionären eher nüchtern betrachtet werden. Schließlich setzt das im TecDax gelistete Unternehmen Combots auf die bislang verlustreiche Internet- Kommunikationsplattform Comwin auf. Die neue Internet-Plattform soll künftig alle Arten der Kommunikation kombinieren und den Datenaustausch über Telefon, Handy und Internet in einem Produkt anbieten. Konkrete Einzelzeiten will Matthias Greve auch nach der Hauptversammlung nicht verraten, doch ist sein Glaube an den Erfolg unerschütterlich. „Wir haben erfolgreich das erste deutsche Internet- Portal aufgebaut, als es das Wort Portal noch gar nicht gab“, sagt Greve. Auch damals hätten viele Beobachter an der Tragfähigkeit des Geschäftskonzepts gezweifelt.

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