Weihnachtszeit ist Handyzeit
UMTS-Geschäft entwickelt sich nur langsam

Ja ist denn schon wieder Weihnachten? Mit flotten Werbesprüchen und Sondertarifen gehen die Mobilfunkbetreiber in diesen Tagen wieder auf Kundenfang. Freiminuten, Gratis-Pakete oder Startguthaben, freie SMS und MMS oder Handy-Tiefstpreise sollen es richten.

dpa DÜSSELDORF. Ja ist denn schon wieder Weihnachten? Mit flotten Werbesprüchen und Sondertarifen gehen die Mobilfunkbetreiber in diesen Tagen wieder auf Kundenfang. Freiminuten, Gratis-Pakete oder Startguthaben, freie SMS und MMS oder Handy-Tiefstpreise sollen es richten. Denn der Mobilfunkmarkt wird immer enger. Mit 70 Millionen Kunden hat er bereits einen hohen Sättigungsgrad erreicht. Dennoch erwarten die Anbieter auch für 2005 weiteres Wachstum.

So rechnet E-Plus-Geschäftsführer Uwe Bergheim im kommenden Jahr mit einem Anstieg des gesamten Bestands auf mehr als 76 Millionen Kunden, beziehungsweise verkaufte SIM-Karten in Deutschland. Gleichzeitig ist Markt mit neuen und gebrauchten Handys derzeit förmlich überschwemmt. Die Modellvielfalt ist groß wie nie und die Verbraucher haben die Qual der Wahl: Allein rund 100 Fotohandys, die auch in diesem Jahr wieder ein Renner unter den Weihnachtsgeschenken sein dürften, sind auf dem Markt. Im ersten Halbjahr 2005 sollen weitere 50 Geräte hinzukommen.

Als Megapixel-Geräte mausern sich die Handys inzwischen gar zu ernsthaften Konkurrenten für renommierte Kamerahersteller. Rainer Schmidt, Geschäftsführer des Photo-Industrieverbandes, sieht diese Entwicklung gelassen: „Das Fotohandy ist eine Bereicherung im unteren und mittleren Segment“, sagt er. Es sei keine Bedrohung für Branche. Aber er will nicht ausschließen, dass ein Hersteller schon bald eine Kamera mit Telefonfunktionen anbietet.

Neben den reinen Fotohandys werden in diesem Jahr erstmals auch UMTS-Mobiltelefone auf dem Gabentisch landen. Mehr als vier Jahre nach der Mrd. schweren UMTS-Auktion gibt zumindest Vodafone D2 richtig Gas: Vor wenigen Wochen läuteten die Düsseldorfer als erster in Deutschland den Massenstart ein. Dabei lockt das Unternehmen mit zehn unterschiedlichen Geräten. „In zwei Jahren werden wir dominant UMTS-Handys verkaufen, prophezeit der Deutschland-Chef von Vodafone, Jürgen von Kuczkowski. Kurzfristig peilt das Unternehmen eine sechsstellige Kundenzahl an.

Aber die Konkurrenz schläft nicht und ist ebenfalls im jungen UMTS-Geschäft mit dabei. Einige sind skeptischer: „Wir glauben an das Potenzial im Datengeschäft. Aber der Markt wird sich nur langsam entwickeln“, glaubt E-Plus-Chef Bergheim. Deshalb stehe die Sprachtelefonie weiter im Fokus.

Denn bis das UMTS-Geschäft richtig brummt, müssen die Betreiber angesichts eines bevor stehenden Harten Verdrängungswettbewerbs einiges tun, um die bröckelnden Margen wieder ins Lot zu bekommen. Die hohen Kosten für die Neuakquisition von Kunden und die starke Subventionierung der Endgeräte verhageln ihnen zusehends die Bilanzen. So hat unter anderem René Obermann, oberster Mobilfunkchef der Deutschen Telekom, der Tochter T-Mobile einen rigiden Sparkurs verordnet. Rund 1 Mrd. Euro sollen aus dem operativen Geschäft bis 2006 eingespart werden.

„Wenn wir könnten, würden die Handy-Subventionen ganz herunterfahren“, sagt auch Bergheim. Schließlich sind sie mitverantwortlich für die nach wie vor hohen Minutenpreise. Aber die Subventionitis ist nicht auszumerzen. Denn was der eine tut, kann der andere nicht lassen. Dennoch setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass in gesättigten Märkten nicht Masse, sondern die Pflege und das Gewinnen von werthaltigen Kunden eine immer größere Rolle spielt. Und so steuern die Betreiber die Subventionen um: Wer viel telefoniert, erhält ein günstiges Handy, andere müssen mehr zahlen.

Indes steht die Mobilfunkbranche mit dem bevor stehenden Markteintritt von so genannten virtuellen Netzbetreibern (Mvno) vor einer ganz neuen Herausforderung: Ähnlich wie im Festnetz die Call- by-Call-Anbieter die Preise ins Purzeln brachten, könnten die Mvno als Billiganbieter die derzeitigen Mobilfunktarife kräftig durcheinander wirbeln. Vor allem die kleinen Betreiber wie E-Plus und 02, die mehr Last auf ihre Netze bringen wollen, stehen dieser Entwicklung aufgeschlossen gegenüber.

Wie es gehen könnte, zeigen die Vereinbarungen zwischen O2 und Tchibo, auch wenn es sich in diesem Fall nur um einen reinen Wiederverkauf handelt. Mvno wollen mehr: Sie mieten Netzkapazitäten an und entwickeln eigene Produkte. Der schwedische Telekom-Konzern Tele2 könnte der Eisbrecher in Deutschland werden. Das Unternehmen, das bereits im Festnetzgeschäft aktiv ist, will auch im Mobilfunk tätig werden und steht in Verhandlungen mit E-Plus.

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