Weiterentwicklung von Produkten: „Nutzer sind den Unternehmen vielfach überlegen“

Weiterentwicklung von Produkten
„Nutzer sind den Unternehmen vielfach überlegen“

Computerprogramme und Sportausrüstung haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Doch Experten beobachten den gleichen Trend: Die Weiterentwicklung dieser Produkte wird mehr und mehr von Anwendern außerhalb der Unternehmen vorangetrieben.

DÜSSELDORF. Computerprogramme und Sportausrüstung haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Doch bei beiden Produktarten hat Eric von Hippel den gleichen Trend beobachtet: Die Weiterentwicklung dieser Produkte wird mehr und mehr von Anwendern außerhalb der Unternehmen ganz nach ihren Anforderungen vorangetrieben und weniger von den Herstellern selbst, erkannte der Professor an der Sloan School of Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Von Hippel entdeckte eine Internet-Gemeinschaft von Fans des Drachen-Surfens - eine Sportart, die an der kalifornischen Küste verbreitet ist. Deren Fans tauschen sich auf Webseiten aus und entwickeln mit ihrem Wissen per eigener Software ideal gestaltete Surfbretter, deren Baupläne sie an die Hersteller schicken. Folge: Diese Art der Innovation bringt Herstellern höheres Umsatzpotenzial - allerdings besitzen die Firmen keine geistigen Eigentumsrechte am neuen Produkt. Die Surfer-Ausrüstung wird zur Open-Source-Kategorie - wie die freie Software, die von Programmierern weltweit vorangebracht wird.

Dieser neue, durch das Internet geförderte Trend bei der Produktenwicklung kann Konsequenzen für Unternehmen aus vielen Branchen haben. "Gemeinschaften von Produktnutzern sind internen Entwicklern von Unternehmen vielfach überlegen", sagt von Hippel. Mögliche Folge: Unternehmen werden als Entwickler entbehrlich, überlassen aus Effizienzgründen der Gemeinschaft die Entwicklung und konzentrieren sich auf die Herstellung und auf Dienstleistungen rund um das Produkt.

Das klingt nach Extremfällen, doch weisen von Hippels Untersuchungen auf eine allgemein wichtige strategische Herausforderung für Unternehmen hin: Sie müssen Produkte nah an den Bedürfnissen des Kunden entwickeln und Ideen aus möglichst vielen Quellen schöpfen. Der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble hat seine Innovationsstrategie mit Blick auf die immer kürzeren Produktzyklen im vergangenen Jahr neu formuliert: Statt ständig das Forschungsbudget zu erhöhen setzt Procter noch stärker auf ein Netzwerk von Quellen für Neuerungen - bestehend aus Webportalen, Kontakten zu kleineren Firmen und Wissenschaftlern weltweit. Experten werten dies als Schritt hin zu mehr offener Kooperation.

In der Softwareindustrie hat Open Source bereits bewiesen, dass Produkte von großem kommerziellen Wert ohne den Schutz geistiger Eigentumsrechte hervorgebracht werden können. Innovationsforscher halten diese Entwicklung etwa auch in Teilen der Pharmaindustrie für möglich. Denn die meisten Arzneihersteller konzentrieren ihre Aktivitäten auf die lukrativen Märkte und Produktkategorien der westlichen Länder. Entsprechend ist die Entwicklung neuer Medikamente ausgerichtet. Doch schon heute haben sich über das Internet Netzwerke von Medizinern entsprechend des Open-Source-Gedankens gebildet, die etwa die Erforschung spezieller Krankheiten in afrikanischen Ländern vorantreiben. Für Pharmahersteller könnte diese Entwicklung in ein paar Jahren zu einer ganz neuen Herausforderung werden.

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