Weltinformationsgipfel in Genf stellt Aktionsplan für die „Online-Gesellschaft“ vor
Digitale Kluft droht Arm und Reich weiter zu entfremden

Von seinen Konferenzräumen im 38. Stock des New Yorker Uno-Hochhauses sieht Kofi Annan die eine Seite des weltweiten digitalen Grabens: Im Stadtteil Manhattan surfen mehr Menschen durchs Internet als in ganz Afrika. „Diese Kluft droht die großen Unterschiede zwischen Reich und Arm noch weiter zu verschärfen“, warnt der Uno-Generalsekretär.

GENF. Der Uno-Chef will jetzt die Milliarden Nicht-Nutzer im Süden ins Netz holen: Auf dem Genfer Weltinformationsgipfel, der heute in Genf beginnt, werden Annan und Dutzende Staats- und Regierungschefs einen Aktionsplan für eine globale Onlinegesellschaft vorstellen. Annan wirbt: „Nachrichten und Informationen im Internet fördern Handel, Bildung und Beschäftigung.“ Doch die Daten zeigen: Ein Teil der Menschen im Süden hat schon Zugang zum Highway der Globalisierung. Ende 2002 gingen 32 % der weltweit 591 Millionen Nutzer in den armen Ländern online. Ein Jahr zuvor waren es 28 % aller User. Und, wenn die Vorhersage der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) eintrifft, wird in fünf Jahren jeder zweite Nutzer in einem Entwicklungsland beheimatet sein.

Längst trifft das klassenkämpferische Diktum der russischen Politikerin Walentina Matwrijenko nicht mehr zu. Sie sagte: „Der Zugang zu technologischem und wissenschaftlichem Fortschritt bleibt auf die Länder begrenzt, wo die Goldene Milliarde der Weltbevölkerung lebt.“

Paradebeispiel der neuen Zeit ist Indien. Gut ausgebildete und preiswerte Arbeitskräfte kreieren Webseiten für westliche Firmen, wickeln Bankdienstleistungen ab oder mailen Rechnungen an westliche Kunden. Die Auftraggeber für das Outsourcing sitzen in den USA und in Europa. Schon jetzt macht Software rund ein Fünftel aller indischen Exporte aus - Tendenz steigend. Die Beratungsfirma Forrester Research fürchtet, dass durch das Outsourcing bis 2015 deutlich mehr als drei Millionen Jobs aus den USA nach Indien verlagert werden. Schon wollen sich US-Politiker die lästige Konkurrenz der Inder per Gesetz vom Hals schaffen - die Kehrseite des Erfolgs. Ebenso verdienen in Brasilien, Venezuela, Rumänien und Russland immer mehr Menschen ihr Geld online.

Insgesamt legt das Outsourcing von Dienstleistungen enorme Wachstumsraten hin: jährlich 23 %. Auch die Politik kann das Internet voran bringen. Beispiel Mauritius - die Regierung verwandelt die einstmals verschlafene Insel in ein „Cyber Island“. Die Strategie: bessere Schulung, Steuererleichterungen für E-Companies und der Aufbau einer „Weltklasse-Infrastruktur“. Schon jetzt gehen drei von vier Unternehmen auf dem Eiland online. Doch auch die Uno-Agentur muss einräumen, dass den armen Staaten noch ein harter Weg bevorsteht: „Die Anwendung der Informationstechnologie in Entwicklungsländern ist bis jetzt begrenzt.“

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