Wettbewerb mit Google
Microsoft startet neue Internet-Offensive

Auf den wachsenden Druck von Konkurrenten wie Google und Yahoo antwortet der weltgrößte Softwarekonzern nun mit einem einschneidenden Strategiewechsel. Teile der wichtigsten Microsoft-Programme Windows und Office sollen künftig online angeboten werden.

HB SAN FRANCISCO/MÜNCHEN. Mit neuen Online-Diensten für seine zentralen Produkte Windows und Office will sich der weltgrößte Software-Konzern ein großes Stück am Internet-Werbekuchen sichern und revidiert damit sein bisher hochlukratives Geschäftsmodell der Lizenzvergabe für Software. Die angekündigten Angebote „Windows Live“ und „Office Live“ sollen durch Abogebühren, aber auch - nach dem Vorbild von Google - durch Werbeumsätze finanziert werden. Das sei, sagte Chef-Softwarearchitekt Bill Gates, „Teil einer Revolution in der Art und Weise, wie wir über Software denken“.

Das Betriebssystem Windows und die Bürosoftware Office werden künftig mit den Online-Angeboten verknüpft, kündigte Gates am Dienstag in San Francisco an. „Das Live-Zeitalter hat gerade erst begonnen“, sagte Gates. „Das ist ein neuer Weg, sich mit Software zu beschäftigen, ein besserer Weg, der viele neue Möglichkeiten eröffnet.“ Dabei dient vor allem Google als Vorbild: „Google hat einen erstaunlichen Job damit gemacht, die Anzeigen-Maschine anzuschieben“, sagte Ray Ozzie, Microsoft-Technik-Chef. Bereits existierende Dienste kratzten derzeit jedoch lediglich an der Oberfläche.

Auf Basis der neuen Internet-Strategie bietet Microsoft erstmals Bürosoftware über das Internet an. „Office Live“ ersetze aber nicht die herkömmlichen Office-Programme wie die Textverarbeitung Word, betonte der Deutschland-Chef von Microsoft, Jürgen Gallmann in München. Die für den Anwender kostenlose und durch Werbung finanzierte Version „Office Live Basic“ umfasse einen Speicherplatz im Web von 30 Megabyte, fünf E-Mail-Adressen und ein Werkzeug zum Erstellen einer Website inklusive der Web-Adresse (Domain). „Wir versuchen eine „Service-plus-Software'-Mentalität in vielen, vielen Microsoft-Produktgruppen zu verankern“, sagte Gates am Dienstag.

Bei „Office Live Essentials“ werde der Speicherplatz auf 500 Megabyte und die Anzahl der E-Mail-Adressen auf 50 ausgeweitet. Bei „Office Live Collaboration“ stehe die Zusammenarbeit in einem Unternehmen oder mit Partnern und Kunden im Vordergrund. Zu den Preisen der kommerziellen „Live“-Varianten konnte Gallmann noch keine Angaben machen.

Unter „Windows Live“ fasst Microsoft Dienste seines Angebotes MSN wie den „Instant Messenger“ mit einem neuen E-Mail-Dienst und einem Service für so genannte Weblogs (Online-Journale im Web) zusammen. Außerdem will Microsoft Möglichkeiten für eine sichere Daten-Speicherung im Netz anbieten. Nutzer sollen sich dabei eine individuelle „Live Homepage“ einrichten können, die sich ständig und automatisch aus verschiedenen Internet-Quellen aktualisiert. Der Dienst soll komplett auf die persönlichen Anforderungen der Anwender angepasst werden können. „Die neuen Live-Dienste von Microsoft beruhen auf einer für alle Interessierten zugänglichen offenen Programmierschnittstelle, mit der Partner ihre eigenen Dienste anbieten können“, betonte Gallmann.

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