Wie Social Software das Netz verändert – Eine Usermeinung
"Alleine macht das keinen Sinn"

Mit Blogs, Wikis, Flickr und openBC kennt sich Stephan Mosel aus Gießen aus. Der 28-jährige Pädagogikstudent betreibt seit Februar 2003 erfolgreich sein eigenes Blog ( »  weblog.plasticthinking.org ), das auch über ein Wiki verfügt. Dort kommentiert er nicht nur aktuelle Ereignisse, sondern setzt sich auch mit den Veränderungen des Netzes auseinander. Michael Smith sprach mit Mosel:

Was verstehen Sie unter Social Software?

Das ist ein weiter Begriff. Er beinhaltet Foto-Sharing, Social Bookmarks, Blogs, Wikis und Social Networking Plattformen wie openBC. Ein weites Feld also, schließlich haben alle diese Dienste ihre spezifischen Funktionen. Letztendlich steckt der Sinn aber bereits im Namen: Es handelt sich um Software mit sozialem Charakter. Es geht darum, über dynamische Seiten Menschen miteinander zu vernetzten.

Was konkret ist daran "sozial"?

Ein Weblog zum Beispiel repräsentiert eine Person. Und ein Link in einem Link Dump, einem öffentlichen Linkverzeichnis, zeigt eine eigene Auswahl. Die ganzen Systeme würden keinen Sinn machen, wenn man sie alleine betreiben würde. Wenn ich mein Blog für mich alleine schriebe oder meinetwegen für fünf Leser, hätte es kaum Sinn, auf andere Blogger zu verlinken. Und wenn ich ein Wiki aufsetzen würde und wäre der einzige, der hinein schreibt, das wäre zwar prima für mich, aber es würde kein "Mehr" an Wissen produzieren. Und wenn ich mich beim Social Networking nicht vernetzen könnte, wäre das nur eine statische Seite, auf der meine Adresse und mein Foto stehen.

Wie haben das Blogging und Angebote wie Flickr und openBC Ihr Verhalten im Internet verändert?

Den größten Einfluss haben Weblogs gehabt. Dadurch, dass ich auch Blogs von anderen lese, konsumiere ich heute vielmehr NutzerNutzer-generierten Inhalte. Früher bin ich bloß auf den großen statischen Sites herumgesurft, mal geguckt, was schreibt Spiegel Online heute, was steht im Stern oder was gibt es bei Reuters.

Was für Auswirkungen hat das aufs Internet?

Einerseits hat es die Auswirkung, dass einfach mehr Leute mehr eigenen Text online stellen. Es wird schließlich immer einfacher Content zu erstellen. Früher ging das über die Homepage, die war immer statisch und man musste noch HTML dafür können. Heute gibt es bei Blogger.com oder anderen so genannte "What you see is what you get-Editoren". Damit ist das Veröffentlichen im Web so einfach geworden, wie ein Word-Dokument oder eine E-Mail zu schreiben. Deshalb stellen immer mehr Leute ungefiltert ihre Meinung ins Netz, und so entsteht eine Art informationsdemokratische Wirkung.

Verpasst jemand, der Angebote wie Flickr und openBC nicht nutzt oder keine Blogs liest etwas?

Das hängt von der Weltsicht und der Herangehensweise der Leute ab. Es geht schließlich um sehr offene Netze und es gibt Leute die kommen mit so offenen und unstrukturierten Systemen nicht gut klar oder halten so etwas nicht für sinnvoll. Wenn aber irgendjemand sagt, ich betreibe Recherche über ein offenes Thema und will mich über Inhalte austauschen, dann empfehle ich ihm, sieh dir doch mal ein auf dein Thema spezialisiertes Weblog an. Oder wenn jemand gerade von der Uni kommt, spezielle Interessen hat und Kontakte oder Jobs sucht, dann sage ich ihm, melde dich doch mal bei openBC an und gib deine spezifischen Interessen ein. Ich glaube, dass es einige Anwendungen gibt, bei denen es sinnvoll ist, sie wenigstens mal auszuprobieren.

Welchen Mehrwert sehen Sie in den Anwendungen?

Letztendlich den, dass man sich mit spezifischen Themen in den offenen Raum hinein vernetzen kann. Wenn ich über ein Thema schreiben will und ich nicht genau weiß, wem ich meine Geschichte erzählen soll, kann ich sie einfach publizieren. Mit ein bisschen Glück finden die Leute meinen Beitrag, weil er verschlagwortet wurde, in ihren RSS-Readern auftaucht oder sie einfach mit Google drauf landen. Und dann haben die Leser die Möglichkeit zu sehen, von wem das kommt, wie sie mich kontaktieren oder einen Kommentar hinterlassen können. Um diese interaktiven, offenen Elemente beim Publizieren geht es eigentlich.

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