Wikileaks-Veröffentlichung
Deutschland diskutiert über Datensicherheit

Die Veröffentlichung als geheim klassifizierter US-Dokumente auf der Internetplattform Wikileaks hat auch in Deutschland eine Debatte um Datensicherheit ausgelöst. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar spricht von einem "alarmierenden Signal". Die Bedenken werden auch von Experten des Chaos Computer Club geteilt.
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HB BERLIN. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sprach am Dienstag von einem "alarmierenden Signal" und warb für mehr "Datensparsamkeit". Schaar sprach von einem "alarmierenden Signal". Vor allem in den USA herrsche eine "grassierende Datensammelsucht", sagte er und verwies darauf, dass das damit verbundene Risiko kaum zu beherrschen sei. Ein radikales Umdenken sei notwendig. "Wir brauchen nicht immer mehr, sondern weniger Daten, und die Daten müssen ordentlich geschützt werden", sagte er. Sonst sei zu befürchten, dass nicht nur Regierungsdokumente, sondern ärztliche Diagnosen, Strafakten oder andere sensible Informationen ihren Weg in das Internet fänden. Geteilt wird diese Befürchtung vom Chaos Computer Club (CCC).

Diese Gefahr sei sehr real, sagte CCC-Sprecher Dirk Engling. Seit vielen Jahren stiegen die Datenmengen stetig, die bei staatlichen und privaten Stellen gesammelt würden. Und damit steige auch die Gefahr, dass jemand Daten, die in großen Mengen rumlägen, mitnehme. "Man denke sich nur, dass der gesamte Datensatz, der jetzt bei Wikileaks veröffentlicht worden ist, auf eine SD-Karte von der Größe eines Fingernagels draufpasst".

Gysi: Mit Verzögerung wird alles bekannt

Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, verwies darauf, dass nicht diejenigen verantwortlich seien, die Geheimnisse veröffentlichten, sondern diejenigen, "die Geheimnisse eigentlich zu schützen haben". Alle, die Geheimverhandlungen führten, müssten davon ausgehen, dass Herrschaftswissen dank des Internets nicht mehr geheim blieben. "Mit einer gewissen Verzögerung wird alles bekannt", sagte er.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Thomas Oppermann, riet der USA zu mehr Datenschutz. "Es stimmt doch etwas nicht, wenn mehrere Millionen Amerikaner Zugriff auf angeblich geheime Dokumente haben", sagte er. Die USA habe es offensichtlich versäumt, ihre Dokumente angemessen zu schützen.

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  • Datenschutz bekommt vor dem Hintergrund von Wikileaks eine Dimension, die bisher vernachlässigt wurde. Wohl dem, der seine Daten noch im eigenen Hause unter eigener Kontrolle halten kann. Ausgelagerte Systeme bei preisgünstigen Dienstleistern (also Dritten!) sind nun einmal nicht kontrollierbar - aber eben preisgünstig und mit Freifahrschein zu Wikileaks. Cloud-Lösungen verschlimmern das Problem noch. Gänzlich nach Strafe schreit, wer geschützte Daten unverschlüsselt durch die Weltgeschichte schickt.
    Aber: "Die müssen mich erst mal erwischen" ist eine weit verbreitete Einstellung unverantwortlicher Firmenchefs. Die dürfen sich dann auch nicht über die Folgen beschweren.

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