Wikileaks-Vorwurf
Guardian-Journalist soll Passwort verraten haben

Wikileaks macht weiter Front gegen ehemalige Partner. Neuer Vorwurf: Ein britischer Journalist soll ein geheimes Passwort verraten haben. Dadurch seien hunderttausende geheime US-Dokumente entschlüsselt worden.
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BerlinDie Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks hat im Zusammenhang mit der von ihr nicht gewollten Veröffentlichung geheimer US-Botschaftsdokumente schwere Vorwürfe gegen einen Journalisten der britischen Zeitung „The Guardian“ erhoben. David Leigh habe in einem Buch „rücksichtslos und ohne unsere Zustimmung einzuholen“ ein Passwort zur Entschlüsselung Hunderttausender unveröffentlichter und zum Teil noch unredigierter Botschafts- Telegramme veröffentlicht, heißt es in einer in der Nacht zum Donnerstag verbreiteten Wikileaks-Erklärung. Der „Guardian“ wies die Vorwürfe zurück.

Die Enthüllungsplattform, die bei der Veröffentlichung der Botschaftsdokumente mit der britischen Zeitung zusammengearbeitet hat, warf dem „Guardian“ vor, mit der Herausgabe des Buches im Februar dieses Jahres gegen eine Vertraulichkeitsabsprache verstoßen und Menschen gefährdet zu haben. Man prüfe deshalb juristische Schritte „gegen den „Guardian“ und eine Person in Deutschland, die das Passwort zum persönlichen Nutzen weiterverteilt hat“. Konkrete Schritte wurden aber nicht angekündigt.

„Es ist Unsinn zu behaupten, dass das Wikileaks-Buch des „Guardian“ in irgendeiner Weise die Sicherheit gefährdet hat“, erklärte die britische Zeitung. Der Nachrichtenagentur AP sagte Leigh, Wikileaks-Gründer Julian Assange habe ihm im Juli 2010 ein Passwort gegeben, um auf einem Server Zugang zu den Depeschen-Dateien zu erhalten. Assange habe ihm versichert, dass die Seite innerhalb von Stunden wieder tot wäre.

„Was wir später in unserem Buch veröffentlicht haben war veraltet und harmlos“, sagte Leigh. „Wir haben die Adresse, wo die Dateien lagen, nicht verraten und auf jeden Fall hat Assange uns gesagt, dass sie nicht länger existieren würde.“ Der Wikileaks-Gründer habe die Datei wohl irgendwie dort liegenlassen und nicht gelöscht, so Leigh weiter. Wikileaks selbst nahm nicht Stellung zu der Frage, wieso die Datei noch online war.

Zuvor hatte der Gründer der Enthüllungsplattform, Julian Assange, bereits dem deutschen Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg über einen Anwalt den Bruch von Absprachen und Selbstverpflichtungen sowie „ein gesteigertes Maß an Niedertracht“ vorgeworfen. Er habe Journalisten Hinweise zur Öffnung der verschlüsselten Dateien gegeben, hieß es in einem Schreiben des Anwalts.

In den im Internet aufgetauchten Originaldokumenten sind Medienberichten zufolge Namen von Informanten der US-Botschaften genannt, die teilweise auch sensible Informationen lieferten. In den von Wikileaks kontrolliert veröffentlichten Botschaftsdokumenten waren solche Angaben, die Personen in Gefahr bringen könnten, unkenntlich gemacht worden.



dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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