Wikipedia-Erfinder Wales
Angriff aufs Google-Imperium

Geht nicht, gibt es nicht: Auf kaum einen Zweiten trifft dieses Motto so zu wie auf Jimmy Wales, den Erfinder von Wikipedia. Als er Ende der Neunzigerjahre die Idee zu dem Online-Lexikon hatte, waren selbst Freunde skeptisch. Das Resultat ist bekannt. Jetzt plant Wales sein nächstes großes Projekt: Eine Suchmaschine besser als Google.
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Immer wenn dem ehemaligen Börsenspezialisten jemand sagt, dass etwas überhaupt nicht funktionieren könne, fühlt sich Wales herausgefordert, das Gegenteil zu beweisen. Das war zum Beispiel so, als er Ende der Neunzigerjahre die Idee zu einem Online-Lexikon hatte, für das jeder, der sich kompetent und berufen fühlt, Texte schreiben, redigieren, korrigieren und diskutieren sollte – ein via Internet abrufbarer, stets aktueller Wissensschatz für die Welt. Das müsse scheitern, meinten selbst gute Freunde von Wales. Die Idioten, die Foren im Internet mit ihrem ätzenden Wort-Durchfall besudeln, würden mit Freude so ein Projekt zerstören. Wales ließ sich nicht irritieren. Wie Ebay-Gründer Pierre Omidyar, glaubt er an das Gute im Menschen. Und von Omidyar wusste er, dass der Anteil der Idioten, die im Internet unterwegs sind, um zu betrügen oder mutwillig alles zu torpedieren, überschaubar ist – in der Regel sind es nicht mehr als fünf Prozent. Das war einen Versuch wert.

Das Resultat ist bekannt. Das Online-Lexikon Wikipedia ist eine der zehn meistgenutzten Web-Seiten weltweit. Zwar schleichen sich immer wieder Fehler in das Nachschlagewerk ein; regelmäßig gibt es Skandale, weil Informationen bewusst verfälscht werden. Aber im Großen und Ganzen ist die Qualität ordentlich, befinden sich die Idioten deutlich in der Unterzahl. Wales appelliert zudem an die Nutzer, ihren gesunden Menschenverstand einzuschalten und nicht blind alles zu glauben. Das Lexikon hat Wales weltberühmt gemacht. Mittlerweile ist er 41, fliegt durch die ganze Welt, spricht als Ehrengast auf zahllosen Kongressen.

Wir haben uns zur Mittagszeit vor seinem Apartment in San Francisco im schicken Bezirk South of Market verabredet. Wales ist erst um zwei Uhr morgens in San Francisco gelandet, hat seine Wäsche schnell in die Waschmaschine gesteckt und sich dann ein paar Stunden hingelegt. Er sieht müde aus. In ein paar Stunden will Wales an die Ostküste fliegen, nach Boston. Im Gepäck hat er einen elektronischen Deutsch-Sprachkurs. Er wolle die am zweithäufigsten benutzte Sprache nach Englisch in Wikipedia unbedingt lernen, verrät er. Sein Problem sei nur, dass er kaum einmal die Gelegenheit habe, das Gelernte anzuwenden. Die Deutschen wollten immer nur Englisch mit ihm reden, klagt er. Das Gespräch mit mir setzt er dann aber doch lieber in seiner Muttersprache fort.

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