Wilde Twitter-Theorien
Julian Assanges Flucht im Diplomatensack

Julian Assange sitzt in London fest. Und im Netz wird darüber spekuliert, wie der Wikileaks-Gründer in sein politisches Asyl nach Ecuador kommen könnte: etwa per Tunnel oder im Diplomatengepäck.
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Ecuador hat dem Wikileaks-Gründer Julian Assange Asyl gewährt – doch um daraus Vorteile ziehen zu können, muss er erst einmal dort hinkommen. Momentan sitzt Assange nämlich noch in der „Flat 3B, Hans Crescent“, der ecuadorianischen Botschaft in London - und draußen warten die Polizisten von Scotland Yard auf ihn.

Auf Twitter, Facebook und anderen sozialen Medien wird viel über die Situation diskutiert, schließlich hat der Wikileaks-Gründer im Netz eine große Fangemeinde, die sich über alle Länder der Welt erstreckt. Neben vielen ernsten Kommentaren tauchen aber auch weniger ernst gemeinte Meldungen auf. Einige davon geben dem umstrittenen Australier einige Ausbruchtipps. @extra3 etwa twittert: „Mensch, #Assange: Knapp zwei Monate sollten doch wohl für 'nen ordentlichen Transatlantik-Tunnel reichen!“ Auch @verbalstrahl schlägt in die gleiche Kerbe: „Klasse, dass #Assange jetzt politisches Asyl hat, jetzt muss sich nur noch bis Ecuador durchbuddeln.“

Doch nicht alle denken in Größenordnungen von ausgewachsenen Tunnelsystemen. @fleetstreetfox schreibt: “Offering him asylum is all well and good but how's St Julian getting to the airport? In the diplomatic bag? Best ask MI6 how that works...“ (Sinngemäß: „Ihm Asyl zu gewähren, ist gut und schön, aber wie kommt St. Julian zum Flughafen? Im Diplomatengepäck? Am besten das MI6 [britischer Geheimdienst] fragen, wie das funktioniert…“ Ein „diplomatic bag“ darf dabei nicht mit einem einfachen Diplomatenkoffer verwechselt werden: Der „Diplomatensack“ ist meist ein großer Beutel aus Stoff. Und gemäß der Wiener Konvention von 1961 darf dieser „weder geöffnet noch zurückgehalten werden“. (Mehr dazu auf Wikipedia)

@jamesdoleman hingegen macht sich Gedanken, wie die Polizei versuchen könnte, Assange herauszulocken: „Police attempt to lure #Assange from Ecuadorian Embassy by leaving bag of top secret documents in a bin outside.“ (Sinngemäß: „Die Polizei versucht Assange aus der ecuadorianischen Botschaft herauszulocken, indem sie draußen einen Sack voller streng geheimer Dokumente in einer Mülltonne zurücklässt.“) Und @lelei spekuliert über die Reaktion der Vereinigten Staaten: „Irgendwo in Washington D.C. schaut gerade ein General bei Google Earth nach wo #Ecuador ist.“

Auf die wohl extremste Fantasterei kommt aber die britische Satire-Seite „The Spoof“: Unter dem Titel „Nuclear Option for Assange“ schreibt der Autor „j.w.“, dass der britische Premier David Cameron die ecuadorianische Botschaft mit einer Atombombe in die Luft jagen möchte. Vorher müsse nur die Queen nach Schottland in Sicherheit gebracht werden. Journalisten dürften aber immer noch vor der Botschaft herumlungern und darüber berichten, dass sie nicht wissen, was passieren wird.

Mit dieser Maßnahme – so die Satire-Seite – wolle Cameron den Wikileaks-Gründer nur dabei helfen, sein Ziel zu erreichen. Denn ein Freund von Assange habe „The Spoof“ erzählt, dass Ecuador das beste Touristenziel der Welt sei. Er wird er mit den Worten zitiert: „It’s a place to die for“.

Ein wenig Trost spendet @siegstyle dem Wikileaks-Gründer. Denn wäre dieser nicht immerhin in London, sähe es für ihn wohl noch düsterer aus. In Anspielung auf den mehrmals verschobenen Start des neuen Airports heißt es dort: „Funfact: Wenn es #Assange in Berlin von der ecuadorianischen Botschaft zum Flughafen schaffen würde, käme er immer noch nicht weg. #BER“

Haben Sie auch noch witzige oder abstruse Tweets und Links zu #Assange? Dann schreiben Sie an unseren Twitter-Account @handelsblatt.

Steffen Daniel Meyer
Steffen Daniel Meyer
Handelsblatt Online / Social-Media-Redakteur

Kommentare zu " Wilde Twitter-Theorien: Julian Assanges Flucht im Diplomatensack"

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  • Es ist schade, dass man sich nun auch noch lustig darüber macht, wie mit Menschen umgegangen wird, die Licht hinter die Kulissen gebracht haben, hinter denen unser aller "Sckicksaal" besiegelt wird indem die Interessen der Elite & Wirtschaft verfolgt werden - doch um jeden Preis geheim. Warum nur geheim sollten wir uns fragen. Falls ernsthaft darüber gedacht wurde die Botschaft zu stürmen, sollte ein Volksaufstand darauf folgen denn dann würden fundamantale rechliche Gepflogenheiten außer Kraft gesetzt werden. Spätestens dann würde die breite Masse sehen, welche Interessen und ethnische Werte tatsächlich relevant sind. Wir sollten besser daran tun uns für Assanges stark zu machen und ihn stärker zu unterstützen indem wir E-Mails, Faxe, Kommentare, Politiker Anrufen und Proteste vor den behördlichen Stellen durchführen, die direkt / indirekt damit zu tun haben. Aber wie schon einige geschrieben habe, hat man Angst, dass an die Öffentlichkeit gerät, wer in der Vergangenheit sonst noch so "Asyl" beantragt und hinter den Kulissen auch erhalten hat (aber blaues / gelbes Blut hatte),hmmmmm?

  • Wikileaks sollte sich zu einem internationalen Netz ausbreiten und wie anonymous oder wie der Club heisst, agieren.

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