Wirtschaft nutzt neuen Dienst
Mit Google Street View um Kunden werben

Street View ist in Deutschland online. Während Politik und Datenschützer sich noch die Köpfe heiß reden, springt die Wirtschaft schon auf den Zug. Vor allem Tourismus- und Immobilienunternehmen stehen in den Startlöchern.
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MÜNCHEN. Pech gehabt. Wer auf Street View nach dem Google Büro in München sucht, sieht nur eine verpixelte Hausfassade. Ein Mitmieter muss Einspruch eingelegt haben. Kay Oberbeck, Sprecher von Google Deutschland, zuckt die Schultern und sagt "Damit müssen wir leben". Mehr Grund zur Freude gibt es in Hamburg: Auf Street View findet sich auch das deutsche Hauptquartier des kalifornischen Suchriesen und davor eine Gruppe jubelnder Mitarbeiter, teilweise verkleidet, winkend. Und natürlich, so wie es sein muss, unkenntlich gemacht mit verpixelten Gesichtern.

Seit Donnerstag ist es soweit, Deutschlands umstrittenster Online-Dienst ist im Netz und spaltet das Land in die Pro- und Kontra-Googler. Street View zeigt die Straßen und Plätze der 20 größten deutschen Städte. Für Marc Stilke, CEO von Immbilienscout24 ist es keine Frage, auf welche Seite er sich schlägt. Immoscout hat zeitgleich mit Google seine neue Webapplikation freigeschaltet. Ein potenzieller Mieter oder Käufer Kunde kann jetzt durch ganze Stadtviertel wandern. Ist in einem der Häuser ein Objekt frei, zeigt das ein Icon an.

Weitere Informationen gibt es auf Knopfdruck. Für Stilke ist Street View nur eine logische Erweiterung: "Wir haben bereits jetzt über 250 Millionen virtuelle Wohnungsbesichtigungen im Jahr", sagt er. Jetzt können sich Kaufinteressenten durch Straßen wandeln und vielleicht sogar Neues entdecken. "Ein Blick in eine Nebenstraße kann ein Objekt zeigen, dass man zuvor gar nicht gesehen hatte."

Der Service soll massiv ausgebaut werden. In Zukunft gibt es dann zu erfahren, wie sich Mieten oder Kaufpreise in einer Umgebung entwickeln, ob es viele Grünflächen gibt und wie hoch der Kinderanteil ist. Der Datenschutz soll dabei nicht unter die Räder kommen verspricht Stikle. Preistrends etwa werden nur ausgewiesen für Gruppen mit je 1000 Einheiten, aber nicht etwa auf Straßenzüge oder Einheiten heruntergebrochen.

Tobias Ragge, Geschäftsführer des Reiseportals HRS ist ebenfalls überzeugt: "Neben den Standarddetails wollen die Kunden umfassend über die Umgebung eines Hotels informiert werden." Besonders Geschäftsreisende verlangten danach. Rund 50 Prozent der klassischen Businesskunden buchten erst am Tag der Anreise und nur für eine Nacht. "Da will man wissen, wo man absteigt."

Dabei geht der Trend zur mobilen Buchung. "Wer in dem Hotel abends an den Schalter geht, bekommt immer den höchsten Preis", weiß Ragge. Draußen vor dem Eingang per Smartphone gebucht, kann viel Geld sparen. "2014", sagt er, "werden 20 Prozent der Buchungen mobil erfolgen."

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  • Datenschutz wird in Deutschland großgeschrieben, aber die Realität im internet sieht anders aus: Einen wirklichen Schutz, den die Politik suggeriert, gibt es nicht: http://bit.ly/aUqJpe

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