Wirtschaftsspionage
Ohne Spuren

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Deutsche Unternehmen gelten dagegen als Saubermänner, die allzu sorglos und mitunter naiv mit der neuen Bedrohung umgehen. „Unsere Gespräche mit der Wirtschaft zeigen, dass häufig völlig unrealistische Vorstellungen über Wirtschaftsspionage herrschen", sagt Carl Heinrich von Bauer, leitender Ministerialrat im nordrhein-westfälischen Innenministerium. „Gefahren werden nicht erkannt oder unterschätzt - und zwar unabhängig davon, ob es sich um kleine, mittlere oder große, international tätige Unternehmen handelt."

„Es fehlt das Bewusstsein, dass ein modernes Risiko- und Sicherheitsmanagement mehr leisten muss als der klassische Werkschutz", meint auch Thomas Menk, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW) und Leiter Konzernsicherheit bei Daimler-Chrysler. „Unter Sicherheit verstehen die Meisten immer noch den physischen Schutz von Führungskräften, Mitarbeitern und Produktionsanlagen" (siehe » „Angriffe gehören zum Alltag“).

Nur wenige deutsche Top-Manager ahnen, auf welchen Wegen heute vertrauliche Papiere auf dem Schreibtisch der Konkurrenz landen. Vorbei sind die Zeiten, als Schubladen durchwühlt, Wanzen in den Telefonhörern installiert und wertvolle Dateien auf Disketten kopiert wurden. Der Datendieb von heute wählt sich direkt über das Internet in die Computer ein, aktiviert die Mikrofone in den Freisprecheinrichtungen von Handys und Festnetztelefonen, schaltet sich in laufende Videokonferenzen ein und fängt so wichtige Informationen ab - in der Regel, ohne Spuren zu hinterlassen.

US-Geheimdienste sind beim Schnüffeln Spitze

An die Spitze der Schnüffelei haben sich die amerikanischen Geheimdienste gesetzt. Vor allem die National Security Agency (NSA) betreibt eine gigantische Überwachungsmaschinerie. 38 000 Mathematiker, Informatiker und Sprachwissenschaftler nutzen im NSA-Hauptquartier im US-Bundesstaat Maryland die weltweit größte Ansammlung extrem leistungsstarker Superrechner, um den gesamten Telefon-, Daten- und E-Mail-Verkehr an den wichtigsten Knotenpunkten abzufangen und sekundenschnell nach brisanten Informationen zu durchforsten (siehe » „Neues Betätigungsfeld“).

Weitere 250 000 Mitarbeiter, schätzt NSA-Experte James Bamford, sind im Central Security Service der Behörde beschäftigt und müssen im Ausland, etwa an den auf allen Kontinenten verteilten Horchstationen - Codewort Echelon - die abgefangenen Botschaften analysieren. Die Kapazitäten der weltweiten Glasfasernetze würden nicht ausreichen, alle herausgefischten Daten zur Weiterverarbeitung nach Crypto City zu schicken, wie die NSA-Zentrale in Geheimdienstkreisen heißt.

Dennoch wird es für die US-Schnüffler künftig noch einfacher, vertrauliche Dokumente abzufangen. Bislang musste die NSA die getrennt betriebenen Internet-, Festnetz- und Mobilfunknetzwerke mit großem Aufwand und verschiedenen Techniken observieren. Durch den Einzug von internet-basierter Übertragungstechnik (IP, Internet Protocol) verschmelzen die Kommunikationsnetze zu einer einheitlichen Übertragungsplattform, die alle Sprach- und Datenpakete von mobilen oder stationären Anschlüssen transportiert. Bei diesen Netzen, die gerade mit Milliardenaufwand von Konzernen wie der Deutschen Telekom gebaut werden, wisse dann keiner mehr, „wo das eigene Netz beginnt und wo es aufhört", heißt es in Sicherheitskreisen. Wenn alle Dienste an jedem Anschluss genutzt werden können, dann können sie auch an jedem Anschluss geknackt werden.

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