Wirtschaftsspionage: Ohne Spuren

Wirtschaftsspionage
Ohne Spuren

  • 0

In Frankreich genießt die Spionageabwehr bereits einen deutlich höheren Stellenwert. Der französische Inlandsgeheimdienst Direction de la Surveillance du Territoire (DST) ist in 22 Departments mit Beratungsbüros präsent, die französische Unternehmen vor Wirtschaftsspionage schützen. Dieses flächendeckende Netzwerk ist nicht nur für die Rüstungsindustrie zuständig, sondern schützt auch die anderen Branchen und insbesondere Mittelständler. Die jährlich 40 Absolventen der Elite-Schule für Wirtschaftsspionage EGE knüpfen ein eigenes informelles Kontaktnetz zwischen Geheimdienst und Wirtschaft und schieben sich interessante Informationen auf dem kleinen Dienstweg zu.

Die Bundesregierung beschränkt sich dagegen auf den Erhalt einer eigenen Sicherheitsindustrie. Weil ausländische Anbieter von Chiffriertechniken unter dem Generalverdacht stehen, dass sie den Schlüssel bei ihrem Geheimdienst hinterlegen, empfiehlt die für alle IT-Sicherheitsprodukte zuständige Bundesbehörde BSI vor allem Kryptotechniken von besonders vertrauenswürdigen deutschen Unternehmen wie dem Messgerätehersteller Rohde & Schwarz, dem Chipkartenhersteller Giesecke & Devrient (G&D) oder der Deutschen Telekom. Um die vertrauliche Kommunikation zwischen Regierungsbeamten zu verschlüsseln, entwickelt Rohde & Schwarz Chiffriergeräte für ISDN-Festnetztelefone und GSM-Handys. Alle IP-basierten Verschlüsselungsgeräte kommen von der G&D-Tochter Secunet in Essen. Das Auswärtige Amt stattet alle Botschaften mit dieser Technik aus.

Allerdings setzen deutsche Unternehmen diese deutlich teurere Hochsicherheitstechnik bisher noch überaus selten ein. Den Großteil seines Umsatzes macht beispielsweise Secunet weiterhin mit Behörden und verkaufte in diesem Jahr weniger Verschlüsselungsgeräte als im Vorjahr. Auch Rohde & Schwarz bedient nur einen Nischenmarkt und lieferte bis dato erst 2 000 Krypto-ISDN-Telefone aus.

Rohde & Schwarz droht sogar technologisch den Anschluss zu verlieren. Krypto-Handys gibt es bislang nur für klassische Mobiltelefone mit dem vor 15 Jahren entwickelten GSM-Standard. Das Modell Topsec GSM etwa basiert auf dem vor sechs Jahren erschienenen Siemens-Handy S35i, das mittlerweile längst überholt ist. Alle über die neuen, multimediatauglichen UMTS-Handys geführten Gespräche lassen sich bis heute nicht verschlüsseln.

Nur zu gern würden Großunternehmen wie die Deutsche Post netzübergreifend funktionierende Verschlüsselungstelefone einsetzen. Doch die gibt es bislang nicht. Vertrauliche Telefonate können nur zwei Gesprächspartner führen, die dasselbe Handy, dasselbe ISDN-Telefon oder dasselbe Internettelefon benutzen. Den meisten Managern ist das zu umständlich - eine gefährliche Bequemlichkeit.

Kommentare zu " Wirtschaftsspionage: Ohne Spuren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%