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Wirtschaftsspione setzen auf Trojaner

Der schwerste Fall von Industriespionage in der israelischen Geschichte zieht immer weitere Kreise. Auch bekannte internationale Firmen seien mit Hilfe eines illegalen Computerprogramms, eines so genannten Trojanischen Pferds ausspioniert worden, berichtete die israelische Zeitung „Jerusalem Post“ am Montag in ihrer Online-Ausgabe.

dpa TEL AVIV. Ein schwerer Fall von Wirtschaftsspionage hat in Israel für Empörung gesorgt. Mit einem eingeschmuggelten Trojaner - einem getarnten Computerprogramm, das unbemerkten Zugriff auf Fremddaten verschaffen soll - haben sich israelische Privatdetektive Zugang zu vertraulichen Computerdaten der Konkurrenz ihrer Auftraggeber verschafft.

Wenn sich die Ermittlungen der Polizei weiter bestätigen, hat eine Hälfte der israelischen Unternehmenswelt die andere Hälfte der Wirtschaft ausspionieren lassen. Seit Tagen bestellen die Fahnder immer weitere Manager und Privatdetektive zu Vernehmungen ein. Es sind Festnahmen und Hausarrest angeordnet worden.

Auf CDs, die als Angebote oder Präsentationen ausgewiesen waren, sollen Detekteien einen Trojaner auf die Computersysteme von dutzenden Firmen geschmuggelt haben. Ein 41-jähriger in London und Süddeutschland lebender Israeli wird beschuldigt, das Programm entwickelt zu haben. Die Programme sendeten von den Opfern der Spionage unbemerkt vertrauliche Firmendaten über das Internet aus. Herkömmliche Virenscanner konnten die eingesetzten Trojaner nicht auf den Rechnern finden.

Auf der Liste der in Verdacht geratenen Unternehmen finden sich der frühere israelische Telekom-Monopolist Bezeq, der Kabelfernseh-Anbieter Yes sowie die Mobilfunkbetreiber Pelephone Communications und Cellcom. Beschuldigt sind auch ein Anbieter von Wasserfiltern, ein Farbenproduzent, ein Unternehmen aus der Hightech-Industrie und eine Baumarkt-Kette.

In den Vernehmungen bestreiten die Manager, von kriminellen Machenschaften gewusst zu haben. Ein Bezeq-Geschäftsführer erklärte einem Medienbericht zufolge, er habe geglaubt, die Informationen seien „aus einem Papierkorb“ gefischt worden. „Die Unternehmensführer wussten sehr gut, dass die ihnen vorgelegten Informationen keinesfalls auf legalem Weg beschafft worden sind“, wird dagegen ein Ermittler zitiert. Die internationale Dimension wird noch untersucht. Auch in Deutschland gab es eine Durchsuchung. Von 60 bisher bekannten Computern, die mit dem Trojaner infiziert worden sind, stehen 40 in Israel.

Der Entwickler des Computervirus habe sich auf bereits bekannt Programme gestützt, mit denen sich Computer für legale Anwendungen fernsteuern lassen. Diese seien aber so verändert worden, dass der Besitzer des Computers einem fremden Zugriff nicht mehr habe zustimmen müssen, erklärt Aviram Jenik (31), Geschäftsführer der israelischen Sicherheitsfirma Beyond Security. Neu an dem Fall sei das Ausmaß der Spionage und der lange Zeitraum bis zur Entdeckung der Tat. Jenik warnt Unternehmen, der Abwehr von Gefahren mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Der Skandal erhitzt die Gemüter. Doch der Rechtsprofessor Elieser Lederman (Universität Tel Aviv) weist in einem Interview darauf hin, dass die Gesetzeslage in Israel eine scharfe Verfolgung der Trojaner- Affäre schwer machen könnte. Es fehlten Gesetze, wie sie die USA vor zehn Jahren gegen Wirtschaftsspionage und Informationsdiebstahl eingeführt hätten. Dort sei das juristische Netz viel enger gewebt.

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