Wissenschaft
Fußball für Forscher: Robocup 2006 in Bremen

„Nr. 5“ lebt und „R2d2“ verfolgt Darth Vader. Einst nur Fiction im Film sind Roboter längst Realität im Alltag. Sie erforschen Planeten, helfen im Haushalt, sind als Spielzeug Kuscheltierersatz, sie sind Bestandteil von Kunstwerken, entschärfen Landminen und sie spielen Fußball.

dpa BREMEN. „Nr. 5“ lebt und „R2d2“ verfolgt Darth Vader. Einst nur Fiction im Film sind Roboter längst Realität im Alltag. Sie erforschen Planeten, helfen im Haushalt, sind als Spielzeug Kuscheltierersatz, sie sind Bestandteil von Kunstwerken, entschärfen Landminen und sie spielen Fußball.

Auf Rollen, vier oder zwei Beinen dribbelt und kickt die künstliche Intelligenz parallel zur Fußballweltmeisterschaft in Bremen um die Titel für die besten nicht humanoiden Ballakrobaten. Für den 10. Robocup haben sich in acht verschieden Ligen 440 Teams aus 36 Ländern in der Hansestadt angemeldet. Der Robocup ist nicht die einzige Weltmeisterschaft der Ball spielenden Maschinen, aber er ist die größte Vereinigung von Forschern rund um die Wissenschaft der Robotik.

Auf 22 000 Quadratmetern in vier Hallen zaubern nach Angaben der Messe Bremen die teils drollig, teils ungelenk aussehenden Roboter vom 14. Juni an auf 52 Spielflächen. Neben den Kickern gibt es auch ein Wettbewerb mit Rettungsrobotern und Diskussionsforen.

Das Publikums wirksame Spektakel ist für die rund 2 500 Wissenschaftler und Schüler für insgesamt sechs Tage allerdings nur die Spielwiese für ihre Forschung. „Die Frage ist, wie kann man mit autonomen Robotern in einem dynamischen Umfeld in Echtzeit agieren“, sagt Ubbo Visser, Privatdozent für Künstliche Intelligenz am Technologie-Zentrum Informatik an der Universität Bremen und Vorsitzender des Organisationskomitees für den Robocup. Ein Beispiel sei der Straßenverkehr. Hier bleibe keine Zeit, hier müssten schnelle Entscheidungen getroffen werden.

„Einen Roboter zu bauen, der irgendetwas macht, ist nicht schwer“, sagt Visser. Das Problem Anfang der 90er Jahr war, ein Versuchsfeld zu finden, in dem Roboter realen Bedingungen ausgesetzt sind. „Fußball war hier schon die richtige Idee“, sagt der Wissenschaftler. „Das Spiel ist dynamisch, es hat eine Echtzeit-Problematik, man muss im Team agieren und man hat einen Gegner, der genau das, was ich will, verhindern muss.“ Um hier erfolgreich zu sein, brauche man ein ganzes Team von Fachleuten. Robotiker, Informatiker, Bildverarbeiter, Elektrotechniker, alle Fachdisziplinen müssen an einem Strang ziehen, damit das ganze Paket passt.

„Was wir machen ist ja nicht einfach Fußball spielen, sondern wir entwickeln Methoden, die wir irgendwann auch woanders einsetzen können“, sagt Visser. Im Straßenverkehr zum Beispiel hat man keine zwei Sekunden, da müssen Entscheidungen in Millisekunden getroffen werden. Der Roboter muss Informationen filtern können. „Der Clou besteht darin, in einer Situation, wie bei uns Menschen, genau die Information zu nutzen, die für den Augenblick entscheidend ist.“

Die rasante Entwicklung und die immer schnellere Datenverarbeitung haben für einen immensen Schub in der Robotik gesorgt. Längst ist nach Angaben Vissers noch nicht alles einsatzbereit, doch die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Schon heute wird die Technologie zum Entschärfen von Bomben genutzt, Roboter können in Katastrophengebieten zum Einsatz kommen und auch das Militär hat längst die künstliche Intelligenz als Waffe entdeckt.

Auch der Darmstädter Informatiker Oskar von Stryk ist vom Siegeszug des Roboters überzeugt. „In den nächsten zwei bis drei Jahren werden wir sehen, dass niedlich verpackte Roboter mit vielen Funktionen im Kommen sind.“ Dass der Roboter nicht schon längst in großer Zahl Einzug in die Haushalte gehalten habe, liege vor allem noch an den hohen Preisen. Die hochkomplexe Technologie, die auch als Hilfe im Haushalt eingesetzt werden könne, sei schlicht zu teuer.

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