Wissenschaft
High-Tech-Kicker ohne Ballgefühl

„Bruno“ dribbelt, tritt am Ball vorbei und fällt um. Der mit High-Tech vollgestopfte zweibeinige Roboter ist der Stürmerstar der „Darmstadt Dribblers“ beim Robocup 2006 in Bremen, der Weltmeisterschaft der kickenden Maschinen.

dpa BREMEN. „Bruno“ dribbelt, tritt am Ball vorbei und fällt um. Der mit High-Tech vollgestopfte zweibeinige Roboter ist der Stürmerstar der „Darmstadt Dribblers“ beim Robocup 2006 in Bremen, der Weltmeisterschaft der kickenden Maschinen.

Von der Schnelligkeit echter Fußballer sind „Bruno“ und sein Teamkamerad „Jan“ noch Lichtjahre entfernt. Statt an selbstsichere Ballkünstler erinnert ihr Bewegungsablauf eher an Pinocchio-Puppen, die an Schnüren aufgezogen sind. Doch für das kickende Team haben die rund 20 Betreuer ehrgeizige Ziele.

„Wir machen uns Hoffnung auf das Halbfinale, träumen auch vom Titel“, sagt Informatik-Student Marcus Schobbe am Spielfeldrand in den Bremer Messerhallen. Dort kämpfen die spielfreudigen Maschinen seit Mittwoch auf zwei und vier Beinen oder auf Rollen um insgesamt 33 Weltmeistertitel in verschiedenen Ligen. 440 Mannschaften aus 36 Ländern haben sich zu den Wettkämpfen gemeldet. „Bruno“ und „Jan“ haben sich am Donnerstag bereits zum zweiten Mal gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Die Finalrunde zum Greifen nah, ist jedoch längst nicht alles Gold was glänzt beim Team aus Südhessen.

Mit einem 1:0 gegen ein japanisches Team erkämpfen sich die beiden sechs Kilogramm schweren und rund einen halben Meter großen Roboter aus Darmstadt zwar den zweiten Sieg in Folge. Dabei ist es jedoch zunächst eigentlich nur „Bruno“, der kämpft. Der Garant beider Erfolge muss zunächst ohne seinen Mitstreiter auskommen. „Jan“ fällt schon kurz nach dem Anpfiff hin und erholt sich in den beiden zehnminütigen Halbzeiten kaum mehr von seinem Defekt. „Der wird von der medizinischen Abteilung betreut“, sagt Schobbe. Wieder auf dem Feld stürzt er, steht auf, zittert und fällt wieder hin, von Spielkultur keine Sicht. Gut für Darmstadt, dass es dem Gegner nicht besser ergeht. Beim Siegtreffer kurz vor Schluss der Partie steht „Bruno“ alleine auf dem Platz und nutzt seine Chance.

Nach dem Abpfiff beginnt die Arbeit der Betreuer und Entwickler. Sie müssen die Spieler fit für die nächste Begegnung machen. Und die Forscher beim weltgrößten Treffen rund um das Thema Robotik haben ehrgeizige Ziele. Schon 2050 wollen sie mit ihren Fußball spielenden Maschinen gegen die Weltmeister aus Fleisch und Blut antreten. Eine Vision, die der Privatdozent am Technologie-Zentrum Informatik an der Universität Bremen, Ubbo Visser, für durchaus realistisch hält. Immerhin, so der Klinsmann des Roboterfußballs, sei auch in der Geschichte der Luftfahrt vom Erstflug der Brüder Wright bis zur Landung auf dem Mond nicht viel mehr Zeit verstrichen.

Bis dahin haben die Informatiker, Robotiker, Bildverarbeiter und anderen Experten jedoch noch eine Menge Arbeit vor sich. Längst läuft nicht alles rund beim Spiel mit dem Ball in Bremen. So nimmt sich beim Wettkampf der kleinen kickenden Roboterhunde der Torhüter schon Mal eine Auszeit hinter seinem Kasten. Ein anderer weiß kurze Zeit offensichtlich nicht so recht, was er mit dem Ball machen soll und streckt alle Viere von sich. Und auch der Auftakt zu dem sich über mehrere Tage erstreckenden Spektakel lief alles andere als geplant. Anstatt auf seiner Torlinie den Schuss von Bremens Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek zu parieren, raste ein Roboter am Ball und am Kontrahenten vorbei und rammte einen Tisch an der gegenüberliegenden Seite des Spielfeldes.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%