Wissenschaft im Web
Forschen 2.0 im digitalen Netzwerk

Soziale Netzwerke erobern die Welt. Aber auch die Wissenschaft? Im Netz arbeiten junge Forscher schon heute digital zusammen. „Science 2.0“ könnte eine Revolution bedeuten.
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DüsseldorfIjad Madisch ist unzufrieden gewesen. Als promovierter Forscher am Krankenhaus in Massachusetts lieferten 80 bis 90 Prozent seiner Versuche negative Ergebnisse, erzählt der Deutsche mit syrischen Wurzeln. Das hat ihn aber gar nicht gestört. Eher, dass sein nützliches Wissen über das, was nicht funktioniert, wieder verloren ging.

Niemand erfuhr davon und konnte Schlüsse daraus ziehen. Das geht den meisten seiner Kollegen genau so. Um das zu ändern, gründete Madisch 2008 kurzerhand die Online-Plattform ResearchGate, ein soziales Netzwerk für Wissenschaftler.

„Wir haben seit etwa vier Wochen mehr als eine Million Mitglieder“, sagt der junge Virologe, der in Hannover Medizin und Informatik studiert hat. Am Montag traf er sich mit Forscherkollegen in Berlin, um über Wissenschaft in Zeiten des Internets zu reden. Denn wenn alles und jeder sich digital vernetzt - warum nicht auch die Forscher? „Science 2.0“ lautet das Schlagwort.

Auf ResearchGate.net oder Biomedexperts.com laden Wissenschaftler schon jetzt Texte hoch, suchen Artikel in Fachzeitschriften, diskutieren in Gruppen und besprechen ihre Fachprobleme. Es sind die klassischen Web-2.0-Elemente von Austausch und Vernetzung, die sich Forscher-Communities weltweit zunutze machen. Tatsächlich geht es jedoch um mehr.

Die große Idee ist vielmehr, jeden einzelnen Forschungsschritt und nicht erst die fertige Publikation zu veröffentlichen, erklärt Soenke Bartling, Radiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. „Denn wenn etwas schief geht, sind alle Daten verloren. Andere Forscher können nicht darauf aufbauen. Dabei sind Experimente, die scheitern, genauso wichtig wie Experimente, die gelingen“, erläutert der Radiologe.

In Zukunft könnte ein Wissenschaftler seine ersten Ergebnisse einfach im Netzwerk veröffentlichen und für jeden zugänglich machen. Vernetzte und transparente Forschung spart Zeit, weil nicht mehrere Forscher die gleichen Fehler machen müssen. Das schafft, so die Idee, eine bessere, weil effizientere Wissenschaft.

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