Worldc.am
Eine Bildersuche für Büro-Voyeuristen

Handy-Fotos sind der Alptraum für Sicherheitsbeauftragte. Schnappschüsse können ein gefundenes Fressen für Konkurrenten sein. Eine US-Suchmaschine bietet eine Suche nach solchen Bildern an – auch in Deutschland.
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DüsseldorfAutokonzerne haben Angst vor Teleobjektiven. Volkswagen entwickelt etwa neue Designs für seine Fahrzeuge in fensterlosen Räumen, damit von außen auf keinen Fall ein Foto gemacht werden kann. Bei Werksführungen für Journalisten vor der Präsentation des neuen Golf galt zudem strengstes Handy-Verbot. Keine Schnappschuss sollte die Hallen verlassen – und tatsächlich glückte das dem Konzern bis wenige Stunden vor der offiziellen Premiere.

Eine neue Suchmaschine verspricht jedoch den von Sicherheitsabteilungen gefürchteten Blick in Firmengebäude. „Worldc.am“ heißt der Dienst, der die Daten des Lokalisierungsdienstes Foursquare mit den Daten des Bilderdienstes Instagram verknüpft, der seit Frühjahr 2012 zum sozialen Netzwerk Facebook gehört. Gestartet ist die Seite am 17. September und sie bietet Futter für Unternehmens-Voyeuristen.

Denn nach der Eingabe eines Ortes und eines Firmennamens kann man bequem aus einer Liste aussuchen, die sogar teilweise spezifische Gebäude eines großen Unternehmens zur Auswahl anbietet, und sich die dort geschossenen Fotos anzeigen lassen. Ein Blick etwa in das Handelsblatt-Gebäude zeigt die Hilfsmittel eines von Kopfschmerzen geplagten Mitarbeiters.

Eine Stichprobe von Handelsblatt Online hat ergeben, dass zumindest auf den ersten Blick keine kompromittierenden Fotos zu entdecken sind. Besucher oder Mitarbeiter beschränken sich häufig darauf, Teile ihres Schreibtischs wie etwas eine neue Tastatur (SAP) oder karge Flure (Vodafone, Allianz) zu fotografieren. Beliebtes Motiv hingegen ist das Kantinenessen. Dabei finden sich besonders viele Bilder von Fastfood: Bockwurst mit Fritten, Currywurst oder Hamburger.

Die Bilder bieten zumindest gelangweilten Mitarbeitern eine Erkenntnis: Auch anderswo geht es träge zu und der Alltag ist oft trist und kann selbst durch einen Instagram-Fotofilter nicht aufgepeppt werden.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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