Wurm-Attacke in Iran: Ein Hauch von Cyber-Krieg

Wurm-Attacke in Iran
Ein Hauch von Cyber-Krieg

Bisher ist nur eines sicher: Der Computerwurm Stuxnet ist ein hochkomplexes Schadprogramm. Spekuliert wird über eine gezielte staatliche Cyber-Attacke auf das iranische Atomprogram. Eines steht aber fest: Schwer aufzuklärende Cyber-Attacken dürften ein beliebtes Mittel der Kriegsführung im 21. Jahrhundert werden. Das iranische Atom-Programm hat der Wurm aber offenbar nicht gefährdet.
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HB LONDON/TEHERAN. Allein die Komplexität des Stuxnet-Wurms deutet nach Einschätzung von Experten darauf hin, dass ein Staat hinter der Attacke steckt. Und weil etwa 60 Prozent der infizierten Computer im Iran stehen, spekulieren manche über einen israelischen Angriff auf das erste iranische Atomkraftwerk Buschehr.

Diese Spekulationen mit Beweisen zu unterfüttern ist allerdings extrem schwierig. Die meisten Großmächte wie China, Russland und die USA haben nach Angaben von Fachleuten in den vergangenen Jahren massiv sowohl in die Cyber-Kriegführung als auch in die Abwehr von Attacken aus dem Internet investiert. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass Einzelheiten kaum in Erfahrung zu bringen sind. "Es ist ausgesprochen schwierig, eine Cyber-Attacke jemandem zuzuordnen", sagt der Cyberkriegsexperte Derek Reveron vom Seekriegscollege im US-Bundesstaat Rhode Island. Dementsprechend schwierig sei es auch herauszufinden, ob ein Staat hinter einem Angriff stecke.

Aber das macht natürlich gerade den Reiz aus. Russland wird gemeinhin für die Cyber-Attacken 2007 auf Estland verantwortlich gemacht. Das Land wurde angegriffen, nachdem dort ein Streit über die Statue eines russischen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg ausgesprochen war. Ähnliche Vorwürfe tauchten während des Krieges 2008 gegen Georgien auf. Doch nichts wurde jemals bewiesen. Manche machen eher "patriotische Hacker" für die Attacken verantwortlich statt staatliche Behörden und Dienste.

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Einig sind sich die Experten immerhin darin: Das Zerstörungspotenzial von Cyber-Attacken wächst im gleichen Maße wie die Abhängigkeit und damit Verwundbarkeit lebenswichtiger Infrastrukturen von Computersystemen. Das Licht könnte ausgehen, die Straßen bei einem flächendeckenden Ampelausfall im Stau versinken, Satelliten blind werden und Kriegsschiffe ziellos im Wasser treiben. Als Konsequenz aus dem technologischen Gefälle haben vor allem Länder, die der konventionellen Militärmacht der USA nicht die Stirn bieten können, den Charme des Cyber-Kriegs für sich entdeckt.

Nordkorea etwa gilt als Staat, der im Falle eines Cyber-Kriegs große Vorteile hätte: Die Computernetze in dem Land sind derart veraltet, dass es kaum etwas gäbe, das von einem südkoreanischen oder amerikanischen Gegenangriff getroffen werden könnte. Dagegen dürfte Chinas "Great Firewall", die eigentlich der Zensur dient, nach Einschätzung von Experten auch einen gewissen Schutz gegen Cyber-Angriffe bieten.

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