Zahlungsdienstleister
Sofortüberweisung.de soll Kontobewegungen ausspähen

Sofortüberweisung.de erfasst offenbar den Kontostand seiner Nutzer und holt sich Informationen über Überweisungen der letzten 30 Tage und den Dispokredit. Das Unternehmen hat die Praxis offenbar eingeräumt
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Der Dienst Sofortüberweisung.de soll ungefragt Kontobewegungen seiner Nutzer erfassen. Das berichtet das Radiomagazin NDR Info unter Berufung auf eigene Recherchen. Neben dem Kontostand würden die Umsätze der vergangenen 30 Tage, der Dispokredit, die Stände anderer Konten bei der Bank und ausgeführte oder vorgemerkte Auslandsüberweisungen abgefragt. Sofortüberweisung.de gab gegenüber NDR Info an, das Unternehmen mache eine "Kontodeckungsabfrage" und überprüfe den "verfügbaren Rahmen".

Payment Network, das 2006 gegründete Unternehmen mit Sitz in Gauting bei München, betreibt den Bezahlservice Sofortüberweisung.de. Das Unternehmen gehört Reimann Investors. Weitere Zahlungssysteme sind Sofortabo.de und Sofortlastschrift.de sowie das Online-Verifizierungssystem Sofortident.de.

Payment Network soll gegenüber NDR Info die Ausforschungen eingestanden haben. Diese würde nicht in allen, aber doch in einer überwiegenden Zahl von Fällen durchgeführt. Die Datenschutzhinweise halte der Bezahlungsabwickler zwar für ausreichend, wolle sie aber nun juristisch prüfen lassen. Die Abfragen der Kontobewegungen dienten der "Betrugsprävention" und würden nicht gespeichert.

Der Leiter des Landesamtes für Datenschutzaufsicht, Thomas Kranig, sagte NDR Info, der Begriff "Kontodeckungsabfrage" erkläre nicht deutlich, was Payment Network mache. Er habe Payment Network schriftlich zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Der Finanzexperte Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) erklärte NDR Info, Sofortüberweisung.de verlange vom Nutzer eine komplette Einsicht in das Konto.

Sofortüberweisung.de verspricht Bezahlvorgänge beim Onlineshopping, ohne dass die Bankdaten an den Händler weitergegeben werden."Der Endverbraucher muss sich weder registrieren noch ein Zwischenkonto aufladen oder eine Kreditkarte besitzen. Über das gesicherte, für Händler nicht zugängliche Zahlformular stellt sofortüberweisung.de automatisiert und in Echtzeit eine Überweisung in das Endverbraucher-Online-Banking-Konto ein", erklärte das Unternehmen.

Im Januar 2010 reichte der Konkurrent Giropay eine Klage gegen Sofortüberweisung.de ein. Der Dienst stifte die Bankkunden zur Preisgabe ihrer Kennwörter (PIN) sowie Transaktionscodes (TAN) an und gefährde damit die Sicherheit des Onlinebankings. Giropay ist ein Gemeinschaftsprojekt der Postbank, der Sparkassen-Finanzgruppe und der Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Kommentare zu " Zahlungsdienstleister: Sofortüberweisung.de soll Kontobewegungen ausspähen"

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  • Das wundert mich nur wenig, sah ich doch auf meinem Konto nur wenige Tage nachdem ich es per sofortüberweisung.de belastet hatte, eine unautorisierte Lastschrift über 150€. Obwohl ein Zusammenhang natürlich nicht 100%ig direkt feststellbar ist, hatte ich doch das Gefühl, dass mit meinen Kontodaten da noch mehr veranstaltet wurde als diese einmalige Online-Überweisung... Solche Meldungen passen zu diesem Gefühl.

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