Zwei anonyme Gruppen kämpfen auf dem Rücken der Computernutzer um die Kontrolle über gekaperte Netzwerke
Die geheime Schlacht der Virenschreiber

Massenmails verstopfen die E-Mail-Postfächer, Viren haben unzählige Computer infiziert – und Besserung ist nicht in Sicht: Im Internet herrscht seit Wochen Alarmstufe Rot. „Noch nie hatten wir so viele Viren mit einem hohen Verbreitungsgrad wie im Monat März“, sagt Frank Felzmann, Virenexperte des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn. In immer neuen Varianten verstopfen die Schädlinge MyDoom, Netsky und Bagle derzeit die digitalen Postfächer. Erst am Donnerstag wurde die Entdeckung einer neuen Spielart des Netsky-Wurms publiziert: Netsky.U.

HB HAMBURG. Hintergrund für die Schädlingsflut ist ein Szene-Scharmützel, das im Verborgenen tobt. „Wir sind sicher, dass da derzeit ein Krieg stattfindet“, sagt der niederländische Virenspezialist Righard Zwienenberg von Norman Defense Data. Der normale PC-Nutzer bekommt die Folgen der Auseinandersetzung rivalisierender Virenprogrammierer zu spüren: in Form von verseuchten Mails in seinem Briefkasten. Wer den Anhang öffnet, hat den Wurm.

Der Krieg der Wurmschreiber begann im Januar 2004, als bislang unbekannte Programmierer mit Netsky einen ungewöhnlichen Schädling in Umlauf brachten. Wenn er sich auf Computern einschlich, neutralisierte er, wenn er sie vorfand, zwei andere Computerviren: Mydoom und Bagle. Die sabotierten Saboteure schossen zurück: In den folgenden Wochen machten auch Bagle-Viren Jagd auf Netsky-Programmcodes. Fast täglich rasten neue Varianten von Bagle, Netsky oder Mydoom auf der Suche nach feindlichen Codes durch die Netze. „Im Ping-Pong-Verfahren wurden immer neue, gefährliche Varianten eines Virus gestreut“, sagt Michael Hoos, Technikchef beim Softwarehersteller Symantec in Ratingen.

Dabei legten beide Seiten eine bisher nicht gekannte, perfide Kreativität an den Tag: Erstmals wurden die unheilvollen Programme mit Verschlüsselungsalgorithmen so abgeschirmt, dass die Antivirenprogramme sie nicht entdecken konnten. Zudem suchte sich jede neue Virenvariation von Netsky und Bagle eine andere Schwachstelle in schlecht abgesicherten Computern, um nicht ausrechenbar zu sein.

Die neue Riege der Datenpiraten sind Profis – und sie sitzen nicht in abgedunkelten Kinderzimmern: „Das sind keine Skript Kiddies, die sich Virenbausätze aus dem Internet herunterladen, sondern Leute mit Ahnung“, ist Rainer Link sicher, Berater der Europageschäftsführung bei Trend Micro in München.

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