800 000 Menschen leiden an dem Restless-Legs-Syndrom
Jeder Fünfte in Deutschland leidet an chronischen Schlafstörungen

Die Erkrankung wird bei vielen Patienten oft erst nach Jahren erkannt und angemessen behandelt. Dabei ist bekannt, dass Schlafprobleme zu zahlreichen Folgeerkrankungen führen oder auch Vorboten für schwere Krankheiten sein können. Mediziner warnen vor den Folgen.

KASSEL. Nach Einschätzung von Medizinern leidet in der Bundesrepublik etwa jeder Fünfte unter regelmäßigen, behandlungsbedürftigen Schlafstörungen. Darauf hat der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Geert Mayer, auf einer Tagung in Kassel hingewiesen. Allerdings werden Schlafstörungen oft erst nach Jahren richtig erkannt und angemessen behandelt. Und das obwohl bekannt ist, dass Schlafprobleme zu zahlreichen Folgeerkrankungen führen oder auch Vorboten für schwere Krankheiten sein könnten.

"Früher war nur bekannt, dass das Schlafapnoe-Syndrom Müdigkeit und Konzentrationsstörungen zur Folge hat", sagte Stefan Andreas, Ärztlicher Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen. Mittlerweile wisse man, dass die nächtliche Atemstörung unbehandelt vermehrt zu Schlaganfällen und Herzerkrankungen führe. "Die Patienten sterben drei bis fünfmal häufiger", warnte Stefan Andreas, Ärztlicher Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen. In den nächsten Jahrzehnten werde nach Einschätzung des Schlafforschers das Apnoe-Syndrom wegen der Überalterung der Gesellschaft und der steigenden Zahl von Übergewichtigen zunehmen.

Aber auch Potenzstörungen und ein höheres Unfallrisiko aufgrund Übermüdung seien mögliche Folgen von Schlafstörungen. Auch Traumschlafstörungen können bereits viele Jahre vorher als ein Vorbote von Parkinson auftreten", sagte Claudia Trenkwalter, ärztliche Leiterin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel. Deshalb sollten Ärzte den Schlafstörungen auf dem Grund gehen.

Ein Beispiel für eine häufig verkannte Schlafstörung nannte Trenkwalder das sogenannte Restless-Legs-Syndrom (RLS). In Deutschland leiden rund 800 000 Menschen an dem Phänomen, bei dem in Ruheposition die Beine anfangen zu kribbeln oder zu schmerzen und die Patienten einen Drang nach Bewegung verspürt. Massive Schlafstörungen sind die Folge. Eine französische Studie, in der zehn Tausend RLS-Patienten untersucht wurden, habe ergeben, dass bei nur fünf Prozent die Erkrankung richtig erkannt worden ist, sagte Trenkwalter. Bei zwei Drittel der Betroffenen wurden fälschlicherweise Venenerkrankungen vermutet.

Ein Grund, warum Schlafstörungen erst spät oder falsch diagnostiziert werden, liegt nach Ansicht der Experten an dem Dilemma, dass viele Hausärzte oft nur wenige Minuten Zeit hätten, die Schlafprobleme der Patienten zu hinterfragen und zu diagnostizieren.

Eine andere Schwierigkeit liege darin, einzuschätzen, ob tatsächlich eine Schlafstörung vorliege. Die Schlafdauer sei individuell sehr unterschiedlich, wie Mayer sagte. Einige Menschen kämen mit fünf Stunden Schlaf aus, andere benötigten neun Stunden. Wichtig sei ein erlernbarer regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, so dass der Körper sich optimal erholen könne.

mit Material von Associated Press Dow Jones

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%