Adipositas bei Jugendlichen

Deutschlands dicke Kinder

Immer mehr Jugendliche in Deutschland sind extrem übergewichtig. Experten warnen vor einer Adipositas-Epidemie. Ein Programm am Kinderkrankenhaus in Hannover hilft 8- bis 17-Jährigen beim Abspecken.
Die Menschen in Deutschland werden immer schwerer. Quelle: dpa
Volkskrankheit Übergewicht

Die Menschen in Deutschland werden immer schwerer.

(Foto: dpa)

HannoverDavid war schon in der Grundschule pummelig. „Rollmops“ haben seine Mitschüler ihm manchmal auf dem Schulhof hinterhergerufen. Mit zwölf Jahren entschloss sich der blonde Junge aus Hannover dazu, grundlegend etwas zu ändern. „Man hat es leichter im Leben, wenn man weniger Kilos mit sich herumschleppt“, sagt er.

Seit dem Frühjahr speckt David mit Hilfe eines Programms für stark übergewichtige 8- bis 17-Jährige ab. In den Kursen am Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult in Hannover sollen nicht nur die Pfunde purzeln. Ziel ist es, die ganze Familie zu einem gesünderen Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu motivieren.

Die Menschen in Deutschland werden immer schwerer. Über die Hälfte der Erwachsenen sind übergewichtig, Tendenz steigend. Nach den jüngsten zur Verfügung stehenden Daten des Robert-Koch-Instituts waren 2007 etwa 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen zu dick. Rund 6 Prozent litten unter Adipositas, also extremem Übergewicht; bei den 14- bis 17-Jährigen waren es sogar 8 Prozent.

Das sind die wahren Kalorienbomben
Ketchup-Flaschen
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Ketchup

Sommerzeit heißt auch Grillsaison. Zu Steak, Pute und Grillwürstchen gibt es oft eine ordentliche Portion Ketchup. Zwar enthält die Soße so gut wie kein Fett, dafür aber ganze elf Stück Würfelzucker pro 100 Gramm – ein Figur-Killer.

Nürnberger Bratwürste
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Wurst

Der komplette Verzicht ist bestimmt nicht notwendig, aber wer etwas auf seine Ernährung achtet, sollte überlegen, zu welchem Fleisch er greift. Besonders Wurstprodukte können die Kalorienzahl eines Tages deutlich in die Höhe treiben. Als Beispiel: Eine Snackwurst, „Rucksackwurst“ oder auch Landjäger genannt, kommt bei 100 Gramm schon auf rund 457 Kalorien.

Gummi Bear Factory Boizenburg expandiert
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Gummibärchen

Lange Zeit hielt sich das Gerücht, Gummibärchen seien gar nicht so tückisch für die Figur. Dabei steckt eine Menge Zucker in den Bärchen. Und auch Zucker wird im Körper in Fett umgebaut und so in den unschönen Speckrollen gespeichert, wenn wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen können.

Most von eigenen Äpfeln
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Fruchtsaft

Viel trinken ist gesund – aber nicht jedes Getränk hält schlank. Fruchtsäfte zum Beispiel: Ein Glas Apfelsaft enthält genau so viele Kalorien wie ein Glas Cola. Daher sollte man den Saft lieber mit Wasser mischen.

Jahres-PK Landesverband Milchwirtschaft
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Milch

Auch Vollmilch gilt durch den hohen Fettgehalt als flüssiger Dickmacher. Bei 3,5 Prozent Fettgehalt liegen 100 Milliliter bei 64 Kilokalorien. Gleichzeitig enthält das Getränk viel Kalzium und Eiweiß, das ist wichtig für Knochen und Muskelaufbau. Um darauf nicht verzichten zu müssen, können Diäthaltende die entrahmte Version oder Buttermilch trinken. Die entrahmte Milch hat nur noch 36 Kilokalorien auf 100 Milliliter. Dabei muss man aber bedenken: So nimmt man auch kaum noch fettlösliche Vitamine A, D und E auf.

Matjes-Delikatessen aus Emden
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Fisch

Fisch ist eigentlich auf jedem Diätplan enthalten. Die Meeresbewohner gelten als besonders fettarm und jodhaltig. Es gibt aber auch besonders fetthaltige Fische. Wer auf die Linie achten muss, sollte sich bei Thunfisch, Lachs, Matjes oder frittierten Calamares zurückhalten. Diese Speisen bestehen zu 13 bis 20 Prozent aus Fett. Deutlich kalorienärmer ist zum Beispiel eine Portion gegrillte Scampis.

THOMY SALAT CREME
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Salatdressing

Wer abnehmen will, greift in der Regel zu Salat und frischem Gemüse. Dabei wird aber immer wieder vergessen, dass die Dickmacher nicht im Salat, sondern im Dressing lauern. Statt einer Fertigmischung, die oft viel Zucker enthält, sollten Genießer ihr Dressing lieber selbst machen und dabei pro Person nicht mehr als einen Esslöffel Öl verwenden.

Hänseleien und seelische Belastungen sind für diese Jugendlichen nicht das einzige Problem. Diabetes, Haltungsschäden, nächtliche Atemaussetzer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sogar Krebs können folgen.

Seit zehn Jahren bietet das Kinderkrankenhaus in Hannover die sogenannten „Kick“-Kurse für adipöse Jungen und Mädchen an. „Kick“ steht für „Kindergewicht intensiv Coaching im Krankenhaus“. Das über ein Jahr laufende Programm ist von der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kinder- und Jugendalter zertifiziert.

„Leider bieten bisher viel zu wenige Klinken zertifizierte Programme an“, sagt Chefarzt Thomas Danne. So seien viel zu wenige betroffene Kinder in Behandlung.

Die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein ist Voraussetzung für die Aufnahme in das Programm. Am Anfang gibt es wöchentlich ein bis zwei Schulungsnachmittage. Einmal in der Woche steht ein Sporttraining mit den anderen Kursteilnehmern an.

Der zwölfjährige David ist an diesem Abend eines der schlanksten Kinder in der Turnhalle. Innerhalb von sechs Monaten hat er fünf Kilo abgenommen und ist drei Zentimeter gewachsen. Damit gilt er nicht mehr als adipös, sondern nur noch als leicht übergewichtig. „Bei uns zu Hause gibt es statt Apfelschorle jetzt Wasser und keinen Süßigkeiten-Teller mehr“, erzählt David nach dem Training.

Während ihre Kinder Sport treiben, werden die Eltern von einer Diätassistentin über den Zucker- und Fettgehalt von Lebensmitteln aufgeklärt. Dabei gibt es praktische Ratschläge, etwa Apfelschorle durch Wasser oder Mortadella durch fettarmen Kochschinken zu ersetzen. Beeindruckend ist auch, wie der Zuckergehalt von Getränken durch Würfelzucker veranschaulicht wird. 28 Zuckerstücke stecken zum Beispiel in einem Liter Eistee. „Milch ist kein Getränk, sondern eine Mahlzeit“, erklärt die Diätassistentin und die Mütter und Väter staunen.

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