Anatomie
Leichen für die Medizin

Wer Arzt werden will, muss an Leichen geschult werden. Die Universitäten in Deutschland sind dafür auf Körperspender angewiesen: Jedes Jahr vermachen hunderte Menschen ihren Körper der Anatomie.

MünchenDen eigenen Körper der Wissenschaft spenden? Für viele Menschen mag das ein befremdlicher Gedanke sein. Und doch vermachen jedes Jahr mehrere Hundert Deutsche ihren Körper den Anatomien der Universitätskliniken. Die Leichname werden für die medizinische Ausbildung gebraucht.

In Frankfurt am Main melden sich so viele Bewerber, dass das anatomische Institut nicht alle annehmen kann. „Im Juni haben wir gesagt: Wir haben genug“, sagt Christof Schomerus von der örtlichen Anatomie.

Werbung für die Spende machen die Unis nicht, Interessierte kommen von selbst. Ein Beratungsgespräch ist Pflicht, dann unterzeichnen die Spender eine letztwillige Verfügung. An kleineren Universitäten werden jährlich etwa 30 solcher Verfügungen ausgestellt, an Hochschulen mit großen Anatomien teilweise mehr als 100.

2004 fiel das Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen weg. Der fehlende Zuschuss zu den Bestattungskosten mag die Spenderbereitschaft im einen oder anderen Fall gefördert haben, werden doch den Hinterbliebenen Kosten erspart, weil die Universitäten für die Beisetzung der Spender aufkommen.

An den Anatomien wird das jedoch differenziert gesehen: „Unter den Spendern sind Leute, die finanziell nicht so gut dastehen, aber viele kommen auch aus der Mittelschicht“, sagt der Leiter der Anatomie Würzburg, Süleyman Ergün. Die Spender wollten vor allem Gutes tun.

Ohnehin ist die Spende nicht überall kostenlos: In Hamburg muss der Spendenwillige zu Lebzeiten 500 Euro zuzahlen, in Köln 1100 Euro, an der Charité Berlin sogar bis zu 1250 Euro. Zuzahlungen seien inzwischen bei den meisten Anatomien üblich, so Hermann-Josef Rothkötter von der Anatomischen Gesellschaft. Die Institute versuchten die Kosten auch mit weiteren Maßnahmen zu senken. „Die Institute haben den Umkreis, aus dem sie Körperspender annehmen, eingegrenzt.“ Gängig seien Entfernungen bis zu 100 Kilometern.

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Für ein Jahr in die Kühlkammer

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