Antibiotika
Bakterien waren schon immer resistent

Kanadische Forscher haben im ewigen Eis 30.000 Jahre alte Mikroben gefunden, die modernen Medikamenten trotzen. Das lässt vermuten: Antibiotika wie das Penicillin gibt es bereits seit Millionen von Jahren.
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BerlinPenicillium notatum ist ein unscheinbarer Schimmelpilz. Purer Zufall machte ihn 1928 zum Ausgangspunkt einer medizinischen Revolution. Der Pilz hatte Petrischalen verunreinigt, auf denen Bakterien wuchsen. Dem Londoner Bakteriologen Alexander Fleming fiel auf, dass überall dort, wo Penicillium sich breit machte, der Bakterienrasen zerstört war. Das war die Geburtsstunde des Penicillins, eines der ersten Antibiotika.

Fortan war es möglich, bis dahin unheilbare Infektionen durch Bakterien zu kurieren und unzählige Menschenleben zu retten. Doch schon bald nach der Einführung des Medikaments 1946 zerbrachen sich Ärzte den Kopf über ein wachsendes Problem: Manche Keime trotzten dem Penicillin oder anderen Medikamenten gegen Bakterien – sie waren resistent geworden.

Solche Resistenzen sind jedoch kein neuzeitliches Phänomen, wie eine Studie kanadischer Forscher nun zeigt. Die Wissenschaftler fanden im ewigen Eis des Yukon-Gebiets im äußersten Nordwesten Kanadas 30.000 Jahre alte Bakterien, die bereits auf vielfältige Art und Weise resistent gegen Antibiotika waren.

Gerry Wright von der McMaster-Universität in West Hamilton und sein Team gewannen Erbinformation aus durchgefrorenen Bohrkernen von Erdschichten aus dem späten Pleistozän. Dass er sich wirklich in dieser Erdepoche befand, belegten die Erbgutspuren von typischen Tieren und Pflanzen dieser Zeit, etwa von Mammut und Bison.

Dann fahndete er nach Erbsubstanz von Bakterien und hier insbesondere nach jenen Abschnitten der Erbinformation DNS, mit denen die Mikroben sich gegen Antibiotika wappneten. Und wurde fündig. Wright entdeckte vielfältige Erbanlagen, die gegen Penicillin, Tetracyclin und Glykopeptid-Antibiotika feiten.

Sein besonderes Augenmerk richtete Wright, wie er in einer Online-Veröffentlichung im Fachblatt „Nature“ berichtet, auf eine Resistenz gegen Vancomycin. Dieser Wirkstoff ist vor rund 30 Jahren als hochwirksames Reservemittel gegen lebensbedrohliche multiresistente Staphylokokken auf den Markt gekommen. Es dauerte keine zehn Jahre, bis diese Hoffnungen einen Dämpfer erhielten: Zum Schrecken der Mediziner waren Vancomycin-resistente Keime aufgetaucht. Die letzte Barriere war gefallen.

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