AOK Studie
Immer mehr Angestellte psychisch krank

Jeder zehnte Fehltag von Arbeitnehmern war 2010 auf psychischen Erkrankungen zurückzuführen. Die Zahl der diagnostizierten Fälle steigt stetig an. Auch die Zahl der Burnout-Diagnosen nimmt zu.
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Berlin Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland leiden an psychischen Erkrankungen und können deshalb nicht arbeiten: 2010 war fast jeder zehnte Fehltag darauf zurückzuführen - ein Anstieg von rund 80 Prozent gegenüber 1999. Das ergab eine Analyse der Krankmeldungen von mehr als zehn Millionen berufstätigen AOK-Versicherten, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Dienstag in Berlin vorstellte. Insgesamt lag der Krankenstand wie im Vorjahr bei 4,8 Prozent.  

Hinzu kommen dabei immer mehr Fälle von Burnout, Stress und totaler Erschöpfung, die meist nicht als psychische Erkrankung, sondern gesondert diagnostiziert werden. Allein mit Burnout waren vergangenes Jahr - hochgerechnet auf sämtliche gesetzlich versicherte Beschäftigte in Deutschland - knapp 100 000 Menschen krankgeschrieben. Seit 2004 seien die Burnout-Fehltage damit um fast das Neunfache auf insgesamt 1,8 Millionen angestiegen, so das Institut.  

Besonders häufig seien Frauen mittleren Alters betroffen, die doppelt so oft wie ihre männlichen Kollegen krankgeschrieben werden (102 zu 50 Fehltage). Insgesamt ist die Zahl der Fehltage bei Mitgliedern aus helfenden und erzieherischen Berufen hoch - vor allem in Berufsgruppen wie Heimleitern, Sozialpädagogen oder Beschäftigten in der Krankenpflege. Aber auch Telefonisten leiden offenbar unter hohem Druck und fehlen häufig wegen Burnout, Stress und Erschöpfung.  Ein Grund für den Anstieg könne sein, dass die Ärzte die Diagnose mittlerweile öfter stellen - auch weil sie weniger stigmatisiere als manche andere Diagnose, folgern die Experten des WIdO.

Doch auch die gestiegenen psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz seien Ursachen. „Vor dem Hintergrund dieser neuen Ergebnisse ist es wichtig, nicht nur die Belastungen im beruflichen Umfeld zu reduzieren, sondern auch die Ressourcen und den Umgang mit Stress bei jedem Einzelnen zu stärken“, sagte Helmut Schröder, Vize-Geschäftsführer Instituts. Die Krankenkassen unterstützten Unternehmen dabei, die gesundheitliche Situation der Arbeitnehmer zu verbessern. Am häufigsten nehmen die Arbeitnehmer demnach Angebote zum Erkennen und Vermeiden körperlicher Belastungen wahr. Auf dem zweiten Rang folge das Thema Stressmanagement.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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