Arznei-Engpässe in Deutschland
Wenn lebenswichtige Medikamente knapp werden

Notstände bei Arzneimitteln sind hierzulande keine Seltenheit mehr. Neben Produktionsschwierigkeiten ist auch der Export ins Ausland ein Problem. Das Gesundheitsministerium sieht die Versorgung trotzdem gewährleistet.
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BerlinEs war einen Tag vor Heiligabend, als der Mangel offenbar wurde: ein Engpass beim Antibiotikum Piperacillin. Das Mittel ist für viele Patienten lebensnotwendig. „In der Krebsbehandlung wird es eingesetzt bei Menschen mit einem schlechten Immunsystem, wenn sie Fieber bekommen“, sagt der Onkologe Bernhard Wörmann.

Kurz vor Weihnachten musste der medizinische Leiter der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie daher noch an Kliniken Empfehlungen für alternative Behandlungsmethoden verschicken. Derlei Notstände sind längst keine Seltenheit mehr.

Gerade in der Krebstherapie seien Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln bedrückend, sagt Wörmann. „Es gibt eine Reihe von Präparaten, die nicht ersetzbar und daher unverzichtbar sind.“ Und selbst bei austauschbaren Medikamenten führten Engpässe zu einer Beunruhigung der Patienten. „Deswegen sind wir in der Onkologie sehr sensibel auf diesem Gebiet.“

Grund für den Engpass bei Piperacillin ist ein Betriebsunfall im größten Herstellungsbetrieb des Wirkstoffs in China. Keine Seltenheit: Seit ein paar Jahren mehren sich die Fälle, „in denen eine ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung nicht mehr gewährleistet ist, weil zugelassene Arzneimittel nicht oder nicht in der erforderlichen Menge verfügbar sind“, stellt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in seinem jüngsten Bulletin fest.

Probleme bei der Herstellung

Das Institut führt eine Liste, die auf freiwilligen Meldungen beruht. Dabei handelt es sich um verschreibungspflichtige Präparate, die überwiegend zur Behandlung lebensbedrohlicher oder schwerwiegender Erkrankungen bestimmt sind und für die keine Alternativpräparate verfügbar sind. Krebsmittel, Antibiotika und Notfallarzneimittel fallen ebenso darunter wie Präparate, die im Zusammenhang mit Operationen verwendet werden.

Insgesamt werden dort zurzeit Lieferengpässe bei 22 Medikamenten aufgelistet. In rund 70 Prozent der Fälle sind Probleme bei der Herstellung der Grund für Ausfälle, bei 25 Prozent werden laut Bundesinstitut nicht ausreichende Produktionskapazitäten angeführt.

Experten sehen vor allem in der zunehmenden Spezialisierung der Unternehmen auf wenige Wirkstoffe eine Ursache. „Ein Hauptgrund für mögliche Lieferschwierigkeiten ist die weltweite Konzentration der Wirkstoffproduktion“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Norbert Gerbsch. Dies sei dem globalen Kostendruck im Gesundheitswesen geschuldet.

Zudem werde beim kleinsten Verdacht auf eine Verunreinigung die Produktion und Auslieferung angehalten. Lieferengpässe seien somit auch der Preis für das hohe Sicherheitsniveau. Auch dem Bundesinstitut zufolge kommen Lieferengpässe aufgrund von Qualitätsmängeln immer öfter vor.

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