Auch neuere Arzneimittel und Methoden der Hyposensibilisierung verbessern die Allergiebehandlung: Akupunktur vertreibt den Heuschnupfen

Auch neuere Arzneimittel und Methoden der Hyposensibilisierung verbessern die Allergiebehandlung
Akupunktur vertreibt den Heuschnupfen

Obwohl der Frühling noch weit entfernt ist, jucken vielen Menschen bereits jetzt die Augen, die Nase läuft und im schlimmsten Fall kommt es zu Atembeschwerden. Neben der medikamentösen Behandlung gewinnt die Akupunktur zunehmend an Bedeutung.

DÜSSELDORF. Immer früher beginnt der Pollenflug. An milden Tagen fliegt schon Ende Januar erster Blütenstaub von Erlen oder Haselnusssträuchern. Immer mehr Menschen leiden unter so genannten Pollenallergien und würden am liebsten in Regionen fliehen, in denen es diese Bäume und Sträucher nicht gibt. Das lässt sich aber nur selten realisieren.

Daher müssen sich die Allergiker anders helfen. Inzwischen gibt es immer bessere Therapien. Neben einer neuen Generation von Medikamenten mit Wirkstoffen, die nicht mehr müde machen, gibt neue Methoden der Hyposensibilisierung und die Möglichkeit, die allergische Reaktion mit Hilfe von Akupunktur abzuschwächen. Allerdings gibt es kein Patentrezept gegen Allergien. „Jeder Patient reagiert anders und muss herausfinden, was am besten hilft“, sagt Anja Schwalfenberg, Beraterin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).

Neben der medikamentösen Behandlung gewinnt die Akupunktur zunehmend an Bedeutung. Eine Studie, die im Auftrag der Krankenkassen durchgeführt und im vergangenen Jahr abgeschlossen und veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass die asiatische Behandlungsmethode genau so gut wirkt wie Antihistamin-Wirkstoffe. Die Nadelstiche sind aber wesentlich schonender für den Organismus. Daher bieten immer mehr Ärzte diese Therapie an.

Schon wenige Akupunktur-Behandlungen können bereits helfen. Der Arzt platziert dabei dünne Nadeln an bestimmten Punkten in der Haut am Kopf und am Ohr. Während die Nadeln dort etwa 20 bis 30 Minuten bleiben, spürt der Patient bereits eine erste Linderung der Symptome. „Es gibt Patienten, die nach zwei bis drei Behandlungen keine Beschwerden mehr haben“, sagt Helmut Rüdiger, Vorstandsmitglied der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur.

Üblich sind jedoch mehrere Behandlungen – meist zwei pro Woche in der Zeit, in der die Pollen fliegen. Bei dieser Therapie gibt es kaum Nebenwirkungen. Empfindliche Patienten, die Angst vor den Nadelstichen haben, können inzwischen auch mit einem speziellen Akupunkturlaser behandelt werden. „Studien an der Universität Dresden zeigen, dass das gebündelte Licht ähnlich gut wirkt wie der Nadelstich“, sagt Rüdiger.

Ärzte, die die Akupunktur nicht beherrschen, empfehlen ihren Patienten so genannte Antihistaminika. Das sind Medikamente mit Wirkstoffen, die den Botenstoff Histamin von seinem Wirkort verdrängen und so die allergische Reaktion unterbinden. Während ältere Medikamente, die heute rezeptfrei in den Apotheken verkauft werden, häufig müde machten, sind die neueren Antihistaminika – die allerdings vom Arzt verschrieben werden müssen – nicht nur wirksamer, sondern auch besser verträglich. Sie werden aber häufig aus Kostengründen erst eingesetzt, wenn die älteren Medikamente nicht mehr helfen.

Als einzige dauerhaft wirksame Therapie gegen Heuschnupfen und andere Allergien gilt momentan die Hyposensibilisierung. „Es ist die einzige Behandlungsmethode, die die Ursachen bekämpft“, sagt die DAAB-Expertin Schwalfenberg. Bei dieser Methode wird das Immunsystem langsam an den allergieauslösenden Stoff – das so genannte Allergen – gewöhnt. Bis vor kurzem mussten sich die Patienten dazu auf eine dreijährige Therapie einlassen, bei der – meist ab Herbst – über einen längeren Zeitraum einmal pro Woche eine kleine Menge des Allergens unter die Haut gespritzt wird. Die Allergie ist dann zwar nicht gleich verschwunden, läuft aber im Laufe der Jahre immer milder ab bis die allergische Reaktion ganz ausbleibt.

Die Angst vor Spritzen und der große zeitliche Aufwand hat jedoch bislang dazu geführt, dass nicht einmal jeder zweite Patient die Therapie zu Ende führte. Das könnte sich nun ändern, denn mit der so genannten sublingualen Immuntherapie wird die Behandlung wesentlich vereinfacht. Die Patienten können sich die Allergenlösung nun selbst in Form von Tropfen unter die Zunge träufeln. „Die neue Methode erzielt ähnlich gute Ergebnisse wie die klassische Hyposensibilisierung, bei der das Allergen über einen längeren Zeitraum unter die Haut gespritzt wird“, bestätigt Natalija Novak, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie in Bonn.

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