Ausstellung „Computer.Medizin“
Herz-Handy und intelligente Toilette

Kaum ein Patient denkt noch an die elektronische Gesundheitskarte und andere Computer-Anwendungen in der Medizin, doch an einem Ort in Deutschland kann sie in Aktion bestaunt werden.

HB PADERBORN. Kurt Beiersdörfer, Geschäftsführer des weltgrößten Computermuseums, des Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForums, lässt sich mit der Karte ein elektronisches Rezept ausstellen und löst es nebenan in der Apotheke ein. All das ist natürlich noch Theorie und wird gezeigt in der „weltweit einmaligen“ Paderborner Ausstellung „Computer.Medizin“ über den Einsatz von Computern in der Medizin, sagt Beiersdörfer am Freitag. Die Schau dauert vom 25. Oktober bis zum 1. Mai 2007, erwartet werden rund 100 000 Besucher.

„Die ganze Ausstellung ist extrem unterhaltsam“, betont Beiersdörfer. Was an der Medizin Laune macht? Vor allem die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten der Computer - und die Fantasie der Entwickler: Eine aus Japan stammende „intelligente Toilette“ misst Gewicht, Körperfett und Blutdruck sowie den pH-Wert und den Zuckeranteil im Urin.

Auf einem Laufband können die Besucher der Ausstellung mit dem Marathon-Weltrekordler Paul Tergat um die Wette laufen. Etwa 20 Stundenkilometer sei er schnell, sagt Kurator Jochen Viehoff. Der Weltrekordler läuft auf einem Bildschirm mit, doch meist in Zeitlupe, bis der Läufer auf dem Laufband das richtige Tempo erreicht. „Wir hatten schon jede Menge Kids hier, die haben das als Wettbewerb aufgefasst.“ Einige hätten es sogar geschafft - „aber nur eine Minute“. Auf dem Weg zum Weltrekord-Tempo gibt es noch einige Zwischenstationen. Bei einer Geschwindigkeit von etwa elf Stundenkilometern erfährt der Tester, nun etwa so schnell zu sein wie der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne).

Seit zweieinhalb Jahren arbeite das Museum an dem Ausstellungsprojekt, das künftig auch auf die Reise gehen soll, sagt Beiersdörfer. Es gebe Anfragen aus Übersee, die Interessenten stammten aus Singapur und Toronto. Neben den eher unterhaltsamen Gags bietet die Schau auch Technik, die Leben retten kann. Mobile Technologien erlaubten die Fernüberwachung etwa nach Herzinfarkten. Bei Schwierigkeiten: Einfach das „Herz-Handy“ an die Brust halten, das Gerät sendet die Daten an den Arzt. Umgekehrt kann der Mediziner über ein solches Gerät Einstellungen von Herzschrittmachern aus der Ferne verändern.

Auch der „Operationssaal der Zukunft“ sei „ohne Computer nicht denkbar“, sagt Kuratorin Margret Schwarte-Amedick. Entscheidend seien moderne bildgebende Verfahren wie etwa Computertomographie (CT), deren dreidimensionale Daten zeigten, wo die Schnitte zu setzen seien. Beispiele seien Leberoperationen - extrem schwierig, weil die Leber stark durchblutet und das Gewebe weich sei. Im vergangenen Jahr seien siamesische Zwillinge mit einer gemeinsamen Leber auf diese Weise getrennt worden, sagt Schwarte-Amedick. „Man kann am individuellen, virtuellen Patienten die Operation simulieren.“

Überflüssig wird der Chirurg aber nicht. Der Computer diene als Assistent, als Navigator des Operateurs, erklärt die Kuratorin. Der Traum vom unabhängig operierenden Roboter sei aber trotz großer Euphorie Mitte der 90er Jahre erst einmal ausgeträumt - wegen der vielen Patientenklagen nach Fehlbehandlungen.

Internet-Link:

www.computer-medizin.de

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