Bauen für den Notfall Wenn der Flughafen zur Viren-Schleuse wird

Flughäfen können zu Einfallstoren für gefährliche Viren werden. Wie sich deren Ausbreitung innerhalb der Gebäude verhindern lässt, wird an der Uni Braunschweig erforscht. Für die Flughäfen ist das ein sensibles Thema.
Flughäfen sind die Tore der modernen Welt - sie können aber auch zu Einfallstoren für gefährliche Viren werden. Quelle: dpa
Flughafen Düsseldorf

Flughäfen sind die Tore der modernen Welt - sie können aber auch zu Einfallstoren für gefährliche Viren werden.

(Foto: dpa)

Flughäfen sind Drehscheiben für Menschen und Güter, doch die Tore der modernen Welt bergen auch Gefahren: Terroristen, Waffen und Viren können ins Land kommen. Um die Terroristen und die Waffen kümmern sich Polizei und Zoll. Doch was ist mit den Viren?

Diesem Thema widmet sich seit Kurzem eine Forschungsgruppe an der TU Braunschweig. Die Wissenschaftler unter Leitung der Architekten Wolfgang Sunder und Jan Holzhausen wollen Flughäfen dabei helfen, sich für den Ernstfall vorzubereiten. Dann etwa, wenn bei einer Pandemie ein Flugzeug mit einem oder gleich mehreren hochinfizierten Passagieren ankommt.

Fliegen in Zeiten von Ebola
Frachtflugzeug startet nach Ende der Flughafen-Blockade in Bangkok
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Warum sind die Fluggesellschaften besorgt?

Bei Krankheiten wie Ebola könnte ein einziger infizierter Passager theoretisch auf einem Flug Hunderte Mitreisende infizieren, die dann womöglich wieder Anschlussflüge in Dutzende weiterer Städte und Länder nehmen. Gesundheitspersonal und Airlines weisen jedoch darauf hin, dass sich Ebola nur durch direkten Kontakt verbreitet. Problematischer wären für die Fluggesellschaften also Krankheiten wie die Grippe oder Sars, die sich auch durch die Luft verbreiten können.

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Sind Reisen nach Westafrika noch sicher?

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat am Dienstag US-Bürgern angeraten, alle nicht unbedingt erforderlichen Flüge nach Guinea, Liberia und Sierra Leone zu vermeiden. Das Auswärtige Amt hat eine ähnliche Empfehlung ausgesprochen.

Flughafen München
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Welche Fluggesellschaften fliegen Westafrika an?

Europäische Fluggesellschaften wie Air France-KLM und Lufthansa fliegen von ihren Drehkreuzen in Paris, Amsterdam und Frankfurt aus Ziele in Westafrika an. Wobei es zwischen Frankfurt und den drei von Ebola betroffenen westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone keine direkten Flugverbindungen gibt. Inzwischen ist das Virus aber auch in Nigeria nachgewiesen worden. Die Lufthansa fliegt dort täglich zwei Ziele an: Lagos und Abuja. Auch die US-Unternehmen Delta Air Lines und United fliegen in die Region.

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British Airways kündigte am Dienstag an, alle Flüge von und nach Sierra Leone und Liberia bis Ende August einzustellen, und begründete dies mit der „Verschlechterung der allgemeinen gesundheitlichen Lage in den Ländern“. Emirates fliegt Guineas Hauptstadt Conakry nicht mehr an, hat die Flüge in Senegals Hauptstadt Dakar allerdings nicht ausgesetzt.

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Werden Flugpassagiere bei der Ausreise aus Afrika untersucht?

Ja. An vielen Flughäfen betroffenen Gebieten werden Reisende von Vertretern der Gesundheitsbehörden untersucht. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat Experten vor Ort, die die Arbeit der Behörden unterstützen. Auch die Weltgesundheitsorganisation hat Mitarbeiter für entsprechende Untersuchungen in die betroffenen Gebiete geschickt.

Isolierstation ist auch auf Ebola vorbereitet
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Welche Maßnahmen werden an anderen Flughäfen getroffen?

Am Frankfurter Flughafen existiert seit Jahren ein Notfallplan für den Umgang mit gefährlichen Infektionen. Er sieht unter anderem den Einsatz von Wärmebildkameras zum Aufspüren von möglichen Risikopatienten anhand erhöhter Körpertemperatur vor.

Meldet der Pilot während des Fluges einen Fluggast mit möglichen Ebola-Symptomen an den Tower, würde das Flugzeug nach der Landung weit draußen auf dem Vorfeld geparkt. Experten der Flughafen-Klinik gehen an Bord und sorgen für den Abtransport des Kranken in einem Spezialfahrzeug direkt in die Sonderisolierstation der Universitätsklinik. Fluggäste, die während des Fluges mit dem Kranken in Kontakt gekommen sein könnten, werden unter Quarantäne gestellt.

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Auch an anderen Airports wie hier in Incheon (Südkorea)werden Reisende aus Ebola-Risikogebieten mit Wärmebildkameras auf erhöhte Körpertemperatur untersucht. An vielen US-Flughäfen ist zudem verstärkt Personal der Gesundheitsbehörde CDC im Einsatz. Es soll gezielt nach Reisenden mit möglichen Ebola-Symptomen Ausschau halten und diese im Bedarfsfall isolieren.

„Dann muss es ein System geben, das in solchen Fällen anläuft“, sagt Holzhausen. Entscheidend sei eine darauf ausgerichtete Infrastruktur, bei der sich ganze Bereiche schnell vom Rest des Flughafens abtrennen lassen. „Die Anforderungen sind dabei ähnlich wie an ein Krankenhaus, wo ja auch niemand weiß, wie ansteckend der Patient im nächsten Transport für andere ist.“

Ebola als Warnung

Pandemie – immer wenn an einem Ort dieser Welt ein Virus massiv zuschlägt, geht dieses Wort vielen schnell von den Lippen. Aber was ist das eigentlich? „Eine Pandemie ist eine sich schnell weiter verbreitende, ganze Landstriche, Länder und Kontinente erfassende Krankheit“, schreibt die Bundesärztekammer.

Vor zwei Jahren war die Angst davor in Europa besonders präsent. Damals raffte Ebola in einigen westafrikanischen Ländern innerhalb weniger Monate Tausende Menschen dahin. Es lässt sich darüber streiten, wie berechtigt diese Angst in Europa seinerzeit war. Unstrittig ist in jedem Fall, dass sich Viren in einer vernetzten und globalisierten Welt leichter verbreiten können als jemals zuvor.

„Flughäfen sind dabei natürlich stets ein besonders empfindlicher Ort“, sagt Dirk Brockmann vom Robert Koch-Institut in Berlin. Der Wissenschaftler hat Modelle entwickelt, mit denen sich Verbreitungswege von Infektionen über Flughäfen nachvollziehen lassen. „So können wir erkennen, welche Kontinente und Städte besonders gefährdet sind, je nachdem an welchem Ort der Welt sich infizierte Menschen in ein Flugzeug setzen“, sagt Brockmann.

So wütete etwa Ebola besonders heftig in den Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea. „Deshalb war die Importwahrscheinlichkeit an französischen und englischen Flughäfen, also in den Ländern der ehemaligen Kolonialmächte, besonders hoch“, sagt Brockmann.

Wie bewegt sich ein Erreger durchs Gebäude?
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