Bedeutender Schritt auf dem Weg zur Behandlung bislang unheilbarer Krankheiten
Südkoreaner klonen embryonale Stammzellen

Südkoreanische Forscher haben erstmals maßgeschneiderte embryonale Stammzellen für schwer kranke Patienten geklont. Damit nahmen sie nur ein Jahr nach ihrem bahnbrechenden Erfolg beim Klonen menschlicher Embryonen eine weitere Hürde zum therapeutischen Klonen.

dpa WASHINGTON/SEOUL. Das Team um den Tiermediziner Woo Suk Hwang und den Gynäkologen Shin Yong Moon von der Nationaluniversität in Seoul entkernte 185 Eizellen junger Spenderinnen und verschmolz diese mit je einer Hautzelle von elf männlichen und weiblichen Patienten. Diese waren zwischen zwei und 56 Jahre alt und litten unter einer bisher unheilbaren Krankheiten – einer Querschnittslähmung, dem ererbten Diabetes Typ 1 oder dem Immundefekt Hypogammaglobulinämie. Mit Stammzellen, die dasselbe Erbgut wie die Patienten enthalten, könnten Mediziner die Abwehrreaktion des Körpers umgehen. Das würde die Heilungschancen nach dem Einpflanzen der Stammzellen erheblich verbessern.

Das Forscherteam setzte das Erbmaterial aus den Hautzellen in die entkernten Eizellen. Aus ihnen gingen Embryonen im frühen Stadium (Blastozysten) hervor, aus denen die Forscher dann je eine Stammzelllinie für ihre Patienten gewannen. Das heißt, jeweils eine Stammzelllinie hat dasselbe Erbmaterial wie der Kranke, von dem die entsprechende Hautzelle stammte. Hwang und Moon beschreiben ihre neuen Experimente in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsjournals „Science“.

Bis zur Therapie ist es allerdings noch ein langer Weg. So enthalten die gewonnen Stammzellen wahrscheinlich dieselben genetischen Defekte wie Patienten mit Erbkrankheiten und sind daher bei diesen nicht direkt zur Heilung einsetzbar. Zudem sind noch mehrere Schritte nötig vom Gewinnen der Stammzellen bis hin zum erfolgreichen Einsetzen in die Patienten. Der Entwicklungsbiologe George Daley von der Harvard-Universität bezeichnete das Ergebnis der Koreaner dennoch als „spektakulär“. Sein Kollege Gerald Schatten von der Universität Pittsburgh sagte, er habe mit einem solchen Durchbruch frühestens in Jahrzehnten gerechnet.

Viele Mediziner glauben, dass mit Hilfe des therapeutischen Klonens einmal viele der schlimmsten Krankheiten geheilt werden können. So gelang es bereits im Tierversuch unter anderem, die durchtrennten Nervenbahnen querschnittsgelähmter Mäuse durch Stammzellen wieder mit einander zu verbinden und den Nagern damit eine gewisse Bewegungsfähigkeit zurück zu geben.

Mit Überraschung wurde in Fachkreisen auch wahrgenommen, dass das die südkoreanischen Forscher ihre Erfolgsrate beim Klonen menschlicher Embryonen innerhalb von Jahresfrist um ein Vielfaches verbesserten. Mit durchschnittlich jeder 17. Eizelle gelang ihnen ein Treffer. Im Jahr zuvor hatten sie noch 200 Eizellen für einen Klon- Embryo verbraucht.Ihren Fortschritt bei den neuen Experimenten führen Hwang und Moon darauf zurück, dass sie jetzt frische Eizellen von freiwilligen Spenderinnen meist unter 30 Jahren benutzen und nicht ältere, die von Fruchtbarkeitsbehandlungen übrig geblieben waren und teils Jahre auf Eis lagen.

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