Bio-Disk
Diagnose aus dem CD-Player

In Großlabors können oft Tage vergehen bis die Ergebnisse von Blut- und Urintests vorliegen. Mit dem "Bio-Disk" dauert eine Analyse von Blut oder Urin meist nur wenige Stunden. Das Mini-Labor funktioniert so ähnlich wie ein CD-Player und könnte vor allem in der Notversorgung wertvolle Zeit sparen.
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BERLIN. Der Mann träufelt vorsichtig ein wenig Blut auf die CD. Dann schiebt er sie in einen etwas plump aussehenden CD-Spieler und wartet bis sich die Scheibe dreht. Kein Hobby-DJ einer diabolischen Subkultur, der da seiner Arbeit nachgeht, sondern ein Arzt. Er verwendet zur Diagnose einen Bio-Disk Player, den das Institut für Mikrotechnik und Informationstechnik der Hahn-Schickard-Gesellschaft (HSG-IMIT) in Villingen-Schwenningen entwickelt hat.

„Kernstück der Bio-Disk Plattform ist eine rotierende CD mit Kanälen und Reaktionskammern, in der biochemische Analysen durchgeführt werden“, erklärt Tobias Metz, Projektleiter der Chiplabor-Dienstleistungen des HSG-IMIT. Die Geschwindigkeit der Rotation im „CD-Spieler“ entscheidet, mit welchen reagierenden Stoffen Blut oder Urin im Inneren der Bio-Disk in Kontakt kommen.

„Besonders bei der Notfallversorgung hilft unser System, wertvolle Zeit zu gewinnen“, sagt Metz. Angewendet wird es auch für die Diagnose von antibiotikaresistenten Krankheitserregern. Wenn Tests in Großlabors zuweilen erst nach Tagen Ergebnisse liefern, macht das lokale Mini-Labor schon in fünf Minuten bis fünf Stunden schlauer. Chiplabor-Systeme wie die Bio-Disk Plattform des HSG-IMIT ermöglichen so schnelle und bezahlbare Vor-Ort-Analysen. Künftig könnten aufwendige Bluttests direkt vom Hausarzt und in bestimmten Fällen auch vom Patienten selbst durchgeführt werden.

Ob Bio-Disks oder andere Formate, stets setzten Hersteller auf einfache und damit massenhaft und günstig zu fertigende Verbrauchsmaterialien.

Am Münchner Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) hat man ein mobiles Labor entwickelt, mit dessen Hilfe bis zu Hundert Immuntests gleichzeitig durchgeführt werden. Das spart Zeit und Kosten. Der Chip ist kaum größer als eine Scheckkarte und soll wie die Bio-Disk als Einwegartikel produziert werden. „Mit unserem Protein-Biochip-System können Antikörper in Patientenproben nachgewiesen werden. Das Ergebnis des Immuntests liegt nach zwei Stunden vor“, berichtet Projektleiter Karl Neumeier.

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