Biotechnisches Verfahren
Zellen produzieren Impfstoff

Schneller zu neuen Impfstoffen: Mit einem Zellkultur-Verfahren könnte die Herstellung von Seren zum Schutz vor Krankheiten um die Hälfte reduziert werden. Auf diese Weise könnten Pharmafirmen flexibler auf Epidemien reagieren.

DÜSSELDORF. Statt neun Monate bei einer Impfstoffproduktion mit Hühnereiern werden mit dem neuen Verfahren nur noch 16 Wochen benötigt. Impfstoff-Hersteller wie Glaxo-Smithkline, Novartis Vaccines oder Sanofi-Pasteur arbeiten schon seit Jahren an der Entwicklung solcher alternativen Produktionstechniken.

Jetzt ist Novartis Vaccines erstmals in einer klinischen Studie der Nachweis gelungen, dass ein Grippeimpfstoff, der mit Zellkulturen hergestellt wurde, genauso wirksam und gut verträglich ist, wie eibasierte Vakzine. Die Ergebnisse wurden Ende vergangener Woche auf einer Fachtagung in Wien vorgestellt.

Die Untersuchung ist Basis für eine Marktzulassung in Europa. Das Unternehmen hat im Juni auf Grundlage der jetzt vorgestellten Studienergebnisse den Zulassungsantrag für das Zellkulturverfahren bei der Europäischen Union gestellt. „Wenn alles glatt geht, kann bereits der Grippeimpfstoff für das nächste Jahr mit dem neuen Verfahren hergestellt werden“, hofft Jörg Reinhardt, Chef der Novartis Vaccines and Diagnostics Division.

Schon seit Jahren wünschen sich Impfstoffexperten eine Alternative zu dem heutigen Herstellverfahren. Denn der Zellkultur-Grippeimpfstoff hat gegenüber Ei-basiertem Impfstoff nicht nur den Vorteil, dass er schneller hergestellt werden kann. „Das Verfahren ist auch zuverlässiger und benötigt eine kürzere Vorlaufzeit für die Produktion, was vor allem bei einer Pandemie – einer weltweiten Grippe-Epidemie – entscheidend sein kann“, sagt eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts.

Influenza-Impfstoffe werden heute noch mit embryonierten Hühnereiern hergestellt. Da dafür nicht irgendwelche Eier verwendet werden können, sondern nur solche aus einem zertifizierten Geflügelbetrieb, muss die Produktion des Grippevirus von der Menge her genau vorgeplant werden. Wenn eine unerwartete, große Grippewelle zu einer Pandemie würde, könnte es schwierig werden, einen neuen Impfstoff schnell genug in den nötigen Mengen zu produzieren.

Mit dem Zellkultur-Verfahren wären die Hersteller unabhängig von den Eiern. Sie könnten jederzeit auf ihre Zellkulturen zurückgreifen, diese auftauen und sofort mit der Produktion beginnen.

Seite 1:

Zellen produzieren Impfstoff

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%